Silicon Genesis Europe

Round Table Interviews

electronica 2006 – November 16, 2006

 

by Horst G. Sandfort (HGS)

 

(HGS)

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

herzlich willkommen zum Round-Table-Gespräch, allerdings alle ordentlich aufgereiht an kleinen runden Tischen „Silicon Genesis Europa“.

 

Die hier versammelten Herren wurden heute von verschiedenen Leuten als „Urgestein“ der Halbleiter-Industrie bezeichnet. Ich habe mich dann dazu durchringen müssen zu sagen, ja, es sind ein oder zwei „Urgesteine“ vielleicht hier, aber die Herren, die wirklich heute hier sind, sind „Ur- Urgesteine“ der Halbleiter-Industrie, weil sie wirklich in den Anfängen mitgewirkt haben, dafür zu sorgen, dass der Begriff „Halbleiter“ überhaupt in Technik und Technologie umgesetzt wurde.

 

Wir wollen ganz kurz umreissen, dass die Halbleiterei ja eigentlich geschichtlich

betrachtet wird, als fünfzigjähriges Ereignis, und in Realität haben sich die ersten

Wissenschaftler mit den Grundlagen für die Halbleiterei bereits im Jahre 1750

wieder befasst, nämlich Benjamin Franklin, der die „Experiments und Observations on Electricity“ dokumentiert und veröffentlicht hat. 100 Jahre später, einhundert Jahre später, 1860, erfindet dann Philipp Reis am Institut Garnier in Friedrichsdorf mit dem Nachweis der elektrischen Sprachübermittlung, das Telefon. 1876, 16 Jahre später, wird diese Entdeckung erstmals wirtschaftlich genutzt durch Alexander Graham Bell, der ein Telefon konstruiert und vermarktet. 1896 ist Herr Marconi der erste, der nachweist, daß man auf den Prinzipien von Maxwell drahtlos übertragen kann und es wird zum ersten Mal, werden zum ersten Mal Worte drahtlos über 3 km gesendet. Die kommerzielle Nutzung beginnt etwa im Jahre, im Jahre 1900 erst, mit der Erfindung der Röhre. Die Röhre erlaubt es, dass also nun nicht nur gesendet werden, sondern auch empfangen werden kann. 1931 schlägt dann Manfred von Ardenne mit der Kathodenstrahlröhre noch eins drauf und ermöglicht damit den Einstieg zum

späteren kommerziellen Fernsehen.

 

1942 stellt Konrad Zuse den weltweit ersten funktionsfähigen Computer auf Relais-Basis vor, den Z3, dem dann erst 1946 der Eniac von John Jesper Eckert

und John Mauchly folgt.

Und dann ging es eigentlich erst richtig los, im Jahre 1947 mit dem Beginn eines

neuen Zeitalters, nämlich der Erfindung des Transistors in den Bell Laboratories.

Und dieses Zeitalter wurde im Prinzip von Anfang an begleitet durch einen oder

mehrere der Herren, die hier auf dem Podium sitzen, und ich freue mich ganz

besonders, heute begrüssen zu dürfen die Anwesenden und ich gehe einfach von links nach rechts – Herr Dr. Hofmeister, als der Senoir dieser Runde, der

tatsächlich von Anfang an dabei war und ich werde gleich auch meine erste

Frage an ihn richten, denn ich glaube, die Geschichte muß noch irgendwie noch

ein bisschen korrigiert werden, wenn ich von 1947 und den ersten Anfängen der

Halbleiterei spreche.

 

Herr Dr. Hans Schütze, Leiter der ganzen Entwicklung bei Texas Instruments in Freising. Und wenn wir nachher von ihm erfahren werden, wie er dort hingekom-

men ist, wird das eine interessante Perspektive geben, wie Deutsche in der Halbleiterei erfolgreich tätig wurden. Herr Dr. Freiesleben zu meiner Rechten, ja, ein Pionier der wirklich dafür gesorgt hat, daß Halbleiter überhaupt gebaut werden konnten, denn ohne die Rohstoffe und Grundstoffe Germanium und Silizium, wäre das nie möglich gewesen, und die Silizium Technologie ist zwar im Hause SIEMENS erfunden worden, aber im Hause WACKER Siltronic, Herr Dr. Freiesleben , dann zur Blüte gewachsen, weltweit, unternehmerisch erfolgreich.

 

 

Herr Dr. Uwe Thomas, eine Persönlichkeit, die ebenfalls im Halbleiterbereich wesentliche Beiträge gesteuert und geleitet hat, allerdings nicht auf der techno-

logischen Seite, sondern im BMFT, wo Forschungsgelder entschieden und

bereitgestellt wurden, um der europäischen Halbleiter- und insbesondere

der deutschen Halbleiter-Industrie die Dynamik zu vermitteln, die sie braucht, um

eine führende Position einnehmen zu können.

 

Herr Dr. Rebstock, als Mitglied der Entwicklung im Hause SIEMENS, auch von ziemlich frühen Anfängen des Hauses SIEMENS dabei, kann über gute und schlechte Zeiten nachdenken und uns mitteilen, wie dort im Hause

SIEMENS nun der Wettbewerb gegen die anderen Mitbewerber aufgenommen wurde.

 

Zur äußersten Rechten, Herr Curt Kesting. Herr Curt Kesting war einer der ersten Mitarbeiter im Hause SGS-Fairchild und hat dann in dieser Firmen-

gruppierung für 24 Jahre seines Lebens gedient und hat allerdings mehrere

Wirkungsstätten hinter sich, also auch eine interessante Perspektive aus dem Leben.

 

 

 

Die hier anwesenden Herren haben alle eine unterschiedliche Ausbildung, eine

unterschiedliche Erfahrung mit in dieses Leben gebracht und ich hatte vorhin schon angedeutet: Herr Dr. Hofmeister 1947 wurde der erste Transistor erfunden?

(Dr. Hofmeister)

Ja, aber der hat natürlich Vorläufer und Sie haben mich ja fast aufgefordert hier

die Historie noch zu ergänzen und da haben Sie das Jahr 1878 vergessen, da hat Ferdinand Braun den ersten Spitzengleichrichter gemacht, also den ersten Metallhalbleiterkontakt und hat sich gewundert, daß der Strom in einer Richtung

eine andere Größe hat, als in der anderen. Warum, wußte er nicht. Man hat gedacht es ist ein magnetischer Effekt oder irgend was. Das ist also der Ferdinand Braun, der gleiche, der ja auch die Braunsche Röhre erfunden hat, vor der wir nun sehr oft sitzen.

Aber nun darf ich persönlich anfangen, meine Erlebnisse in der Halbleiterei:

 

Ich habe Physik studiert nach dem Krieg, zum Teil schon vor dem Krieg, an der

Münchner LMU. Physik und zwar klassiche Physik. Und da war dann irgendwo ein Zettel „ Spezialvorlesung, Heinrich Welke :„der Transistor“. Na ja, da ich neugierig war, habe ich gedacht, ich geh mal rein. Da waren 5 Hörer, 5 Hörer, die hörten also Heinrich Welke über den Transistor. Das war so eine exotische Sache, noch gar nicht eben öffentlich sehr bekannt. Nun, es handelte sich dabei um denselben Professor Heinrich Welke, der, und jetzt kommt wieder eine Korrektur, 1945, im April `45, in den letzten Kriegstagen, mit einem Kurier ein Patent nach Münch - Berlin geschickt hat, nämlich ein Feldeffekt Transistor. Der wurde nie realisiert, aber die Theorie, die stimmte. Also können wir sagen, war Welke der erste theoretische Erfinder des Transistors. Nun, nachdem ich diese Vorlesung gehört hab', bin ich eines Tages dann eingeladen worden zu einer Besichtigung im Halbleiterwerk der Siemens AG in München. Und es hat mich als Physiker so fasziniert, ich habe das Gefühl gehabt, da ist zum ersten Mal eine physikalische Industrie entstanden. Chemische Industrien gab's schon lang, aber es gab noch keine physikalische Industrie. Und so bin ich dann 1945 in diese physikalische Industrie zu Siemens ins Halbleiterwerk eingetreten. Ich war zuerst im Dioden-Labor, also die Verlängerung des Ferdinand Braunschen Spitzengleichrichters. Wobei man sagen muß, dass bereits während des Krieges Spitzengleichrichter sowohl in USA auf Silizum, als auch bei Siemens auf Germanium-Basis gemacht wurden. Das brauchte man dringend als Demodulator in der Radartechnik. So habe ich also nun angefangen mit dem Halbleitergeschehen. In meinem Labor wurden nun Spitzendioden hergestellt. Das war 1955 und im Nachbarlabor war natürlich schon die Entwicklung der Transistoren ja, es lief sogar schon eine Germanium-Transistor-Produktion, nämlich der legierte Germanium-Transistor. Das war eine raffinierte Sache, man hat auf ein kleines Germanium-Plättchen von beiden Seiten Indium-Kugeln einlegiert. Dadurch entstand eine P-N-P- Schicht. Nun, soviel zunächst mal, wir sind beim Transistor.

 

 

 

Und 1952, da ist vielleicht noch ein entscheidendes Thema, war in den Bell-Laboratorien ein Symposium ausgeschrieben, in dem sie zum ersten Mal alles offen legten, was nötig ist, um Germanium-Transistoren herzustellen. Dieses Symposium kostete damals für die Teilnehmer fünfundzwanzigtausend Dollar. Es waren fünfunddreissig Firmen eingeladen und die kamen zurück auf unseren Trip zum Halbleiterwerk, mit einem dicken Buch. Es wurde sofort dann verschlossen, weil es ganz geheim war, aber es stand das Rezept drin für die Herstellung der Germanium-Transistoren, natürlich mit entsprechenden Lizenzgebühren. Soviel zunächst mal zu der ersten Vorgeschichte.

(HGS)

Herzlichen Dank, herzlichen Dank, und ich akzeptiere selbstverständlich die Korrektur des Mehrwissenden als der „Urgesteine der Industrie“, „he, he, he“ Das Ur-Urgestein.....Ich bin noch lernfähig, das wollte ich nur dazu sagen.

 

Herr Dr. Schütze, es wurde gerade schon mal der Bogen gespannt von 1945 zu 1955. 1955 scheint mir für Sie auch ein interessantes Jahr gewesen zu sein.

Können Sie uns beschreiben, was da passiert ist:

(Dr. Schütze)

Ja, also ich bin auch Physiker, wie mein Nachbar, habe an der Universität in Kiel

studiert von 1956, am Institut für Angewandte Physik promoviert. Ah, eigentlich war es Ende 55. Meine Karriere, meine Industriekarriere, die begann bei Telefunken 1956, bei Telefunken in Ulm, damals nicht bei der Halbleiterei. Ich habe 6 Jahre in Forschung und Entwicklung für „Roland“ Technologie gearbeitet und dann 4 Jahre lang anschliessend mich mit der Halbleiterei befasst. Von dort war das Material ausschliesslich Silizium. Wir haben Silizium-Oberflächenstruk-turen untersucht und insbesondere die Frage gestellt, wie man kleinste Strukturen herstellen konnte. Damals haben wir es geschafft in Zusammenarbeit mit Zeiss in Oberkochen Submicron-Strukturen der Größe 0,6 µ herzustellen. Das war damals wirklich absolutes Neuland. Ich bin aber nicht bei Telefunken geblieben und für mich stand dann die Frage an, willst du in der Forschung und Entwicklung bleiben oder in die Industrie gehen, wo man modernes Management lernen kann und das hat mich dann zu Texas Instruments im Jahre 1966 gebracht. Dort bin ich 21 Jahre tätig gewesen. In den ersten 10 – 12 Jahren habe ich den Geschäftsbereich für „Integrierte Schaltungen“ geleitet. In diese Zeit fällt also Mitte der sechziger bis Ende der sechziger Jahre die Einführung der TTL-Schaltkreise in Deutschland und die Herstellung von Kundenschalt- kreisen für Firmen, die Ihnen vielleicht bekannt sind, Nixdorf, Grundig und auch für Siemens. Die letzten 8 Jahre, bevor ich in den Ruhestand getreten bin, habe ich dann die Forschung und Entwicklung für Texas Instruments in ganz Europa geleitet. Soweit zu meiner Geschichte.

(HGS)

Herzlichen, herzlichen Dank. Ä, hm...Sie sind schon, haben den Bogen gespannt schon ein bisschen in die sechziger Jahre hinein, aber das soll uns ja nicht verleiten nochmals in die fünziger Jahre zurückzuschauen.

 

Herr Dr. Freiesleben, 1954 hat Siemens die Halbleiterproduktion begonnen,

aber irgendwo mussten ja wohl die Siliziumscheiben und all die Dinge

hergekommen sein. Wie sind Sie denn zum Silizium gekommen?

(Dr.Freiesleben)

Ja, ich habe zunächst in München und New York Chemie studiert und dann

an der Universität Basel in Physikalischer Chemie promoviert. Zur Wacker-

Chemie kam ich dann anschliessend da hat bereits eine Lieferung nach USA

stattgefunden von reinem Silizium und Wacker hat schon 100 kg reines Silizium

gemacht. Das war der Dr. Eng, Dr. Eduard Eng, der war ein Freund-Studien-

kollege vom Dr. Spenke, der bei Siemens erfahren hat, was in Amerika in Sachen Transistor gelaufen war und der seinem Freund Edi Eng sagte: Du, pass auf, das war 1952 , es geht auch mit Silizium, nicht nur mit Germanium. Darauf

hatte Eduard Eng, als eingefleischter Silizium-Chemiker, hat eine Gruppe eingesetzt die im Juni 1953, um das von Siemens angegebene Verfahren zur Herstellung von Reinst-Silizium polykristallinen Reinst-Silizium in Gang zu setzen. Die Aufgabe war nicht ganz einfach; denn man konnte zwar metallurgisches Silizium kaufen, weltweit gabs das, in Mengen von 2 Mio Tonnen, aber das hatte etwa 1% Verunreinigungen: Eisen, Kalzium, Aluminium und für die Mikroelektronik ist so ein Silizium nur brauchbar, wenn es 100millionestel Atomprozent Fremdverunreinigungen noch hat, d.h. eine Silizium aus neun Neunern, 99,999...., aber das könnt Ihr alles an Euren Fingern abzählen. Und das hat der Eduard Eng in Gang gebracht und es gelang ihm auch, und es gab damals bei Wacker einen Spruch.“ Zuerst hat uns Siemens gesagt, wie Herstellen von Poly-Silizium geht und dann hat Wacker Siemens gezeigt, wie es gehen kann“. Dann war man nämlich in der Folgezeit so gut, dass man in den 80ziger Jahren schliesslich, auf die wir ja vielleicht noch kommen, etwa 45% des Weltbedarfs gedeckt haben. Einige der Herren können sich noch daran erinnern, und jetzt gebe ich ab wieder an Herrn Sandfort, um zum HerrnThomas überzuleiten.

(HGS)

Das haben Sie schon gemacht, aber der Herr Dr. Thomas wird sicherlich noch

mal ganz kurz seinen Einstieg und seine Erstbegegnungen mit der sogenannten

Halbleiterei selbst darstellen können.

(Dr. Thomas)

Na gut, das ist nicht sonderlich interessant, ich habe Physik studiert und bin

dann ins AEG-Forschungsinstitut gegangen nach Berlin. Und nach einem halben Jahr hat man mich dann zur Fortbildung geschickt – ein paar Tage lang - um über Mikroelektronik von Texas Instruments etwas zu wissen, was damals keinerlei Bedeutung hatte für unsere Arbeit, wir haben CAD-Systeme entworfen z.B. um Relaisschaltungen optimal zu... äh... darstellen zu können. Mit der Mikroelektronik bin ich eigentlich erst – und so weit sind wir noch nicht – richtig in Berührung gekommen 1973, als ich ins Bundesministerium für Forschung und Technologie übergewechselt bin. Da kommen wir später nach drauf. Ich möchte nur einen Punkt sagen. Damals galt Deutschland als rückständig in dem Bereich, was viele Jahre angedauert hat und sich nur wenig verbessert hat, und wir wurden mitleidig betrachtet und ich erinnere mich an einen Besuch bei Bob Noyce oder auch Robert Heikes von Motorola, die fanden das lächerlich, dass Deutschland in dem Bereich aufholen könnte und immerhin hat Europa Ende der neunziger Jahre 3 Unternehmen unter den ersten 10 gestellt. Das hätte man sich in den siebziger Jahren nicht vorstellen können. Was jetzt in Zukunft wird, ist eine zweite Frage.

(HGS)

Da wir uns heute ein wenig mit der Nostalgie und den eigentlichen Problem-

stellungen der Gründerzeit auch noch intensiver beschäftigen wollen, nämlich

ein bisschen feststellen, wo die eigentlichen Road Blocks oder die Hürden waren, die zu überspringen waren, machen wir immer soon bisschen die Sprünge nach vorne und dann gehen wir aber leider wieder ein bisschen zurück, um zu sehen, wie sind wir denn in den fünfziger Jahren eigentlich tatsächlich in die sechziger Jahre gekommen. Und Herr Dr. Rebstock, vielleicht erzählen Sie so'n bisschen aus der Zeit. Nochmal...

(Dr. Rebstock)

Ich bin Jahrgang '27 und habe angefangen, wie damals üblich. Als sechzehn-

jähriger Flakhelfer, hatte ich Glück. Ein grosser Teil von uns ist in den Endschlachten an den „Zeloher Höhen“ verblutet. Ich hatte grosses Glück,

denn im Laufe des Krieges wurde die Radartechnik entdeckt. Sie haben vielleicht

gehört, zu Beginn des Krieges war Göhring der Meinung, alles wird mit Stukkas

gemacht und als dann in einer Nacht über England 185 deutsche Flugzeuge abgeschossen wurden, hat man angefangen nachzudenken. Es hatte sich nämlich rausgestellt, dass die Radartechnik, die in USA für Landvermessungen verwendet wurde, zur Flu... also zur Erkennung der Flugzeuge eingesetzt wurde und weshalb ich das erzähle so genau, das Entscheidende waren Germanium-Gleichrichter, die Empfindlichkeit geschafft haben, dass man mit dieser Genauigkeit die Radartechnik einsetzen konnte. Ich habe dann Physik studiert und zwar in Stuttgart am Institut für Festkörperphysik und am Max-Planck-Institut für Metallforschung. Ich habe da promoviert über Selen. Es war damals eines der wesentlichen Halbleiter.. war Selen also für Grossgleichrichter. Ich habe mich da mit Hochfrequenzeigenschaften von Selen beschäftigt. Einer der grossen Pioniere der Halbleiterei, Prof. Seiler, war da mein Doktorvater und ich war da schon fasziniert von der Halbleiterei. Wir hatten auf der anderen Seite guten theoretischen Physiker, Prof. Fuss. Die haben uns die notwendig Quantentheorie beigebracht, ja die damals auch völlig neu war, die Quantentheorie der Festkörper. Und zu diesen Festkörpern wurde dann sehr schnell ein ganz wichtiger Punkt – Herr von Freiesleben hat schon darauf hingewiesen - die Sauberkeit, aber nicht nur die Sauberkeit im chemischen Sinne, sondern auch die strukturelle Sauberkeit. Damals kam der Begriff der Versetzung überhaupt erst auf. Es waren nur so 10 Jahre vorher, wurde gezeigt, dass in den Kristallen Versetzungsfehler, also Baufehler, drin sind und es stellte sich sehr schnell heraus, dass diese Versetzungen entscheidend sind für viele Metallmaterial-. eigenschaften. Zum Beispiel im Germanium war es ganz wichtig, die Tempera- turabfühlprozesse richtig zu führen, damit die Kupferatome nicht an diese

Versetzungsstellen sich angelagert haben, denn dann war das Material kaputt.

Die Festkörperphysik hat also damals ziemlich grosse Fortschritte gemacht. Ich

hab dann weiter gearbeitet in der Festkörperphysik, wo es um diese Ver-

setzungen ging. Wir haben an Kupferaltkristallen die Wechselwirkung von Ver-

setzungssystemen untersucht. Das war also meine Ausbildung bis zum Assis-

tenten im Max-Planck-Institut und ich bin dann eingetreten zur Firma Siemens.

Damals war Siemens ja ziemlich zerschlagen noch und es gab die alte For-

schung war in Karlsruhe in einem provisorischen Laboratorium, das hiess Werk-

stoffhauptlabor, war konzentriert und hier wurden Festkörperfragen behandelt,

unter anderem auch Silizium. Eine kurze Bemerkung: zu diesem Zeitpunkt wurde bei Siemens an vielen Stellen bereits über Halbleiter gearbeitet. Es wurde schon gesagt, die Gruppe Spenker-Schottky in Brennsfeld, die als.. ja eine Basis gebildet haben, die Schottkysche-Randschicht-Theorie, auf der auch schon vor-

hin darüber gesprochen wurde über die ersten Transistoranmeldungen, sind ja bereits im Jahre 35 – 38 durch Schottky gelegt worden. Und auch viel später, als in Amerika der Transistor entdeckt wurde, war sich Shockley auch klar, dass er auf den Schultern von Schottky gestanden hat, denn er hatte die Theorie für die Oberflächeneffekte und den Transistor bereits gelegt. Herr Spenke war sein Mitarbeiter, der hat uns diese mathematisch sehr schwierigen Theorien also nahe gebracht und so, dass wir verstehen konnten. In Brennsfeld hat man dann das Silizium ganz besonders betrieben, Brennsfeld gehörte zur Schuckert-Gruppe, das war also die Leistungselektronik Gruppe und man hat dort Hochgleichrichter gebaut, also für hohe Ströme und da musste das Silizium besonders rein sein, deshalb diese super Reinigungsverfahren über die Herr von Freiesleben schon berichtet hatte, warum das Silizium so viel schwieriger war als das Germanium, hängt ja einfach damit zusammen, dass man es eigentlich nicht mit einem Kegel in Reaktion bringen kann, weil es sofort reagiert und deshalb sind ja diese ganzen Vakuumverfahren hier entwickelt worden. Ich bin dann aber, also ich sagte bei Schottky - Spenke wurden die Halbleiter entwickelt in diesem Werkstoffhauptlabor, und 1952 hat Siemens dann die Halbleiterfabrik in München gegründet. Da kann man vielleicht noch einschieben, bis 1949 gab es noch ein Gesetz, dass wir in Deutschland, dass wir uns nicht mit Halbleitern beschäftigen dürfen, weil es ja kriegswichtig interessante Dinge sind, und ich weiss nicht wie lange diese Sperre gehalten hat, aber sie hat fast bis `52 gehalten. Wir durften in Deutschland, also ausser Dioden und einfache Halbleiter wie Kupfer-Oxyd und Selen, eigentlich keine modernere Technik machen. Das hat erst 1952 angefangen. Ich bin dann in die Halbleiterfabrik eingetreten und war dann dort als Entwickler zunächst für Germanium, Entwicklungsleiter für Germanium. Wir haben damals den berühmten Mesa-Transistor entwickelt, über den wir dann vielleicht noch sprechen können, und ich war dann Entwicklungsleiter für Silizium und später auch Fertigungsleiter für unsere Fabriken in München, Regensburg und Villach und Singapur. Es war damals auch sehr schwierig die Kontaktierungen zu machen und die haben wir sehr schnell aus München raus verlagert weil da mit diesen Mikroskopen ganze Heerscharen von Mädchen beschäftigt werden mussten, was wir in Deutschland nicht mehr machen konnten. Nur eine Information, zum Beispiel, die Drähte, mit denen man solche Transistoren kontaktiert hat, hatten zum Teil 5µ Durchmesser. Ein Haar hat, wie Sie wissen, 6 bis 7 µ Durchmesser. Es sind damals also kleine Kunstwerke geschaffen worden und wir sind ja mit diesen Transistoren weltweit beherrschend gewesen, weil wir dafür eine spezielle Technik angewendet hatten. Obwohl diese Transistoren bei Motorola und Texas Instruments erfunden wurden. Aber das sind jetzt schon Details, auf die ich nicht so sehr eingehen will. Wir sind dann natürlich in die ganze Schaltkreistechnik TTL eingestiegen und dann später in die Speicher. Vielleicht noch eins dazuzufügen, was normalerweise nicht bekannt ist, die sogenannte Ein-Transistor-Zelle, die Basis aller DRAM's, die man heute hat, ist bei Siemens erfunden worden und zwar von Karl Ullrich Stein, bei uns im Forschungslabor. Das heisst auch für die grosse Speicherentwicklung, die nachher aus Amerika losbrach und auf die wir vielleicht später noch im Detail einkommen, hat auch ein kleines Stückchen Siemens-Erfindungen drin gehabt. Das zunächst mal. Wir können nachher über viele Details noch reden, vor allem in der Zeit, wo dann die richtigen Schlachten aufgetreten sind. Wo wir dann zum Mega-Projekt kommen und wo das Ministerium dann uns geholfen hat, Siemens und Philips den Rückstand aufzuholen. Zunächst herzlichen Dank.

 

(HGS) Herzlichen Dank Herr Dr. Rebstock.

 

Herr Kesting, wie hat sich bei Ihnen die Halbleiterei zum ersten Mal gemeldet?

(C.Kesting)

Ja, ich bin also das erste Mal hier. Ich fühle mich geehrt, in dieser ehrwürdigen Runde hier als relativ junger Spunt auftreten zu dürfen. Ich habe nach einer Ausbildung bei der heutigen Telekom, damals Bundespost, 1966 bei der Firma SGS Fairchild, das war damals ein Joint Venture in Wasserburg, angefangen und bin dann in den Jahren bei den beiden Firmen eigentlich geblieben. Mit SGS und Fairchild 1970 ein Werk in Singapur aufgebaut, dann 1973 wieder in Wiesbaden, das zweite Fairchild-Werk, und 1984 wieder zu ST, wo wir dann in Singapur die erste Diffusion ausserhalb Japans aufgebaut haben.

 

(HGS): Vielen Dank, wir kommen mit Sicherheit auf einige Stationen Ihres Lebens wieder zurück, aber nochmals schnell zu der jetzt dargestellten Welt, wie sie sich in Deutschland dokumentiert hat. Es ist doch, für mich zumindest faszinierend zu hören, dass bereits von `45 bis in die Mitte der fünfziger Jahre wesentliche Beiträge geleistet wurden, um für die sogenannte Halbleiter-

industrie Voraussetzungen zu schaffen, die eigentlich einen riesigen Vorsprung bedeuteten. Gebremst, und das muss ich auch nochmal sagen, durch die vorhin angesprochenen Auflagen aus den USA in 1949 bis 1952 eben nichts Fortschritt-

licheres tun zu dürfen und in der Zeit ist im Prinzip auch auf der Halbleiter-

seite in den USA nicht fürchterlich viel vorwärts gegangen. Es ging

erst eigentlich mit der Entwicklung des integrierten Schaltkreises richtig los

und richtig weiter und Herr Dr. Rebstock, wenn Sie vorhin sagten, die ganzen

Kämpfe, die da noch zu überstehen waren, die begannen ja eigentlich in der Zeit, in der der integrierte Schaltkreis erfunden wurde und da wurde ja eigent-

lich in der ganzen Zeit vom Silicon Valley gesprochen und `57 ist so das Gründungsjahr für die Mutter der Halbleiterindustrie nach amerikanischem Muster, wo nämlich aus den Shockley-Laboratorien einige Herren ausgeschieden sind und die Firma FAIRCHILD Semiconductors gegründet haben. Das gilt eigentlich als die Geburtsstunde der Halbleiterindustrie in den USA. Was die meisten Leute vergessen, ist , dass in der gleichen Zeit schon in einem anderen Bereich in den USA intensiv auch gearbeitet wurde und das war in Texas. Da gab es ein Unternehmen, das es wohl heute auch noch gibt, Herr Dr. Schütze, bei dem Sie tätig waren. TEXAS Instruments. Wie war das denn mit den ganzen TTL-Schaltkreisen.

(Dr. Schütze)

Also, ich bin in den fünfziger Jahren nicht mit der Halbleiterei befasst gewesen Das ging erst 1960 los, als ich von der Erfindung Jack Kilby's hörte, der den ersten integrierten Schaltkreis der Welt aufgebaut hat und dafür ja auch, wie Sie wissen, den Nobelpreis bekommen hat. Ich war damals bei Telefunken tätig, wie ich eingangs schon gesagt habe und habe mich mit den Submicron-Silicon-Strukturen beschäftigt, die mich dann auch nicht mehr losgelassen haben und bin dann `66 bei Texas Instruments angefangen, mit der Aufgabe und dem Auftrag die TTL-Schaltkreise in Deutschland einzuführen und den Markt zu gewinnen. Das war also 1965 und das habe ich dann auch gemacht.

 

(HGS): Danke! - Dazu gibt es sicherlich noch ein paar begleitende Bemerkungen, die wir aufgreifen sollten nämlich, immer wenn wir darüber reden, dass es den nächsten Schritt gegeben hat auf der Entwicklungsseite der Produktschiene, musste ja die Siliziumschiene mitziehen. Und Herr Dr. Freiesleben, vielleicht gibt es dazu ja noch etwas zu bemerken.

(Dr. Freiesleben):

1958 als ich zu Wacker kam da kostete das Gold etwa einen Dollar pro Gramm,

während das Reinstsilizium, das Wacker damals verkaufen konnte, und das es

weltweit überhaupt erst zu kaufen gab, das kostete US$ 5,00 pro Gramm. Hatte also den 5-fachen Goldpreis. Im Jahr `85, um das vorweg zu nehmen, da kostete das Gold $ 15,00 das Gramm, während das Silicium auf 20 Cent pro Gramm abgesunken war, und meine erste Begegnung mit dem integrierten Schaltkreis

war im Jahr 1962, da hat nämlich der schon erwähnte Dr. Eng aus Amerika

für Wacker den ersten integrierten Schaltkreis zurück gebracht, der 8 Rund-

funkröhren- Funktionen hatte. Alle waren wir völlig platt. Wie auf einem Silizium-Plättchen von der Größe eines Fingernagels, haben wir die Wirkungsweis von 8 Rundfunkröhren. Unser Chef hat damals gesagt, was kann das

Ding kosten, na so $ 100,00, na und was kostet eine Röhre, also $ 4,00, na

hat er gemeint, Edi, glaubst Du, dass das Silizium jemals ein Geschäft wird?

Damit gebe ich ab, an diejenigen, die ein Geschäft daraus gemacht haben.

 

(HGS):

Aber es gibt noch eine Bemerkung zur vorherigen Bemerkung von Herrn. Schütze, Herr Dr. Hofmeister.

(Dr.Hofmeister): Weniger zu Herrn Dr. Schütze, sondern wir

haben zuvor gesprochen von dem Rückstand, den Deutschland hatte und

Europa überhaupt, gegenüber USA. Es klang ja schon an, woher der Rück-

stand kam. Einmal darf man nicht vergessen, während drüben in USA

bereits Transistorproduktionen liefen, nämlich `49 die ersten, war bei uns

1948 die Währungsreform. Vor der Währungsreform war ja nötig, alles wäre

nötig gewesen, aber man konnte es nicht machen. `48, nach der Währungs-

reform, hat man sich nun erst einmal der klassischen Industrien angenommen.

Wie sollte man da mit der Halbleiterei anfangen, man brauchte Motoren, man

brauchte Geräte für Stahlherstellung usw. Also, die Bedeutung der Halbleite-

rei ist kaum erkannt worden, vor allem man hat eigentlich gar keinen Bedarf ge-

habt, diese exotischen Dinge zu machen, bevor nicht schon die klassischen

Industrien wieder angelaufen sind. Und nun kommt ein ja Gückliches und Un-

glückliches zusammen, nämlich das Wirtschaftswunder. Mit diesen klassi-

schen Industrien boomte die Wirtschaft in Deutschland, es ging aufwärts,

abwärts konnte es ja sowieso gar nicht mehr gehen. Es ging aufwärts, es

ging so gut, dass man eigentlich gar nicht mehr so an die Chips dachte, die

waren ja irgendwo anders in Amerika schon sehr weit und manche haben

gesagt, die Chips kann man auch dort kaufen. Das ist natürlich grosser Unsinn,

denn die Schlüsselbauelemente der Zukunft, die muss man im eigenen Haus

haben. Nun also, machten wir uns in Deutschland daran den Rückstand auf-

zuholen, aber da gab es einige Hemmnisse. Da gab es einmal die Anklage,

vor allem von Gewerkschaftsseite, der Chip, der IS-integrierte Schaltkreis,

ist ein Jobkiller. Das war etwas, was man uns um die Ohren gehauen hat und

in den Medien natürlich sehr stark unterstrichen hat. Es war dann überhaupt nicht in den 60er/siebziger Jahren nicht eine solche Aufbruchstimmung da, wie

in der ersten industriellen Revolution. Die erste industrielle Revolution war die

Dampfmaschinen vor 200 Jahren, vor hundert Jahren die 2., das war die

Elektrizität und nun man hat jetzt gesprochen von der 3. industriellen

Revolution durch die Micro-Elektronik durch die Informatik. Und die 3.

industriellen Revolution wurde zwar von den Kennern begrüsst, aber von

den Nichtkennern möglichst beschimpft und man hat versucht, es sogar

zu verhindern. Es gab ja damals Leute, die gesagt haben, man soll auf-

hören mit der Micro-Elektronik. Ich habe Headlines von Zeitungen : die

Micro-Elektronik muss gestoppt werden, uns steht eine Katastrophe bevor.

Also es wurde alles sehr negativ behandelt in der Öffentlichkeit, denn in

dieser Zeit der Micro-Elektronik entstanden auch die ersten Computer und

die Computer wurden genauso skeptisch beobachtet, der Personal Computer,

wie er damals hiess. Ein Mitglied im Hauptvorstand der Gewerkschaft

„Erziehung und Wissenschaft“ hat gesprochen von einem informations-

technologischen Hiroshima. Robert Kung hat auch dagegen gewettert

oder solche Dinge wurden zitiert, zum Beispiel von Barbara Mettler-Maybohm

Dozentin in Hannover: erst stirbt die Kommunikation, dann stirbt die Seele.,

menschliche Nähe wird durch technische Nähe ersetzt. Also alles, was

für diese neue Technik war, wurde damals schlecht gemacht. Und das

Tollste finde ich, dass am 27. März 1987 im Pressedienst der Grünen muss

ich gestehen, namens Jutta Dittfurth, ein Aufsatz stand:“ die neuen Informa-

tions- und Kommunikationstechnologien sind als Rationalisierung Über-

wachung Mensch und Natur zerstörendes Planungsinstrument konzipiert

und deshalb nur als solche optimal zu verwenden. Im Betrieb und Privatleben

bedeuten die I und K-Techniken tendentiell immer mehr Arbeitsplatzvernichtung,

Dequalifizierung, Überwachung, Manipulation und kulturelle Verarmung. Der

Computer muss aus der Schule entfernt werden“. Nun, das waren also nun damals die Meinung in den siebziger und achtziger Jahren. Sie können sich vorstellen, dass es dann wenig Spass gemacht oder vielleicht gerade deshalb Spass gemacht hat, bei uns, bei Siemens weiter zu arbeiten. Es kamen dann noch so kleine Störfeuer. Als wir in Regensburg die Halbleiterfabrik eröffnen wollten, da war es selbstverständlich, dass man am Sonntag nicht produziert, sondern am Samstag mittag war Schluss. Sonntagsarbeit war verboten. Als wir dann Besuch bekamen von Japanern oder aus USA, die haben nur den Kopf geschüttelt, ja wieso könnt Ihr am Sonntag nicht arbeiten. Das dürfen wir nicht, denn wir gehörten zur IG-Metall und bei IG-Metall, im Gegensatz zur IG-Chemie mit den Hochöfen, bei IG-Metall war es verboten, am Sonntag zu arbeiten. Aber auch die Bischöfe in Regensburg haben sich eingeschaltet. Nein, es kommt gar nicht in Frage, so dass wir es zur Bedingung gemacht haben, bevor wir die Halbleiterfabrik in Regensburg bauen, dass wir sonntags arbeiten dürfen, denn die Geräte in der Produktion sind derart diffizil, dass eine Pause von Samstag mittag bis Montag früh alle Temperatureinstellungen, Gaseinstellungen wieder zerstört hätten und wir haben Vergleichsversuche gemacht mit Abschalten der Produktion am Samstag, war die Ausbeute am Montag oder Dienstag 40%

ohne, war es 70%. Das mussten wir vorlegen, sowohl der Kirche, wie der Gewerkschaft. Dann wollten wir natürlich auch Förderung haben und Sie können sich vorstellen, obwohl die damaligen Förderungsminister,Wissenschaftsminister

sehr auf unserer Seite waren, ging es doch nicht durch. Darüber kann Herr

Thomas sicherlich noch sprechen, weil eben die allgemeine Stimmung gegen

diese dieses Teufelszeug war. Aber selbst die Industrie selber hat gesagt, wir

brauchens nicht, Chips kann man überall kaufen. Und Balkhausen schrieb

damals ein sehr beachtenswertes Buch, das nannte er „Elektronikangst“.

Also in so einer Atmosphäre mit Schwung, die Halbleiterei weiterzutreiben,

den Rückstand aufzuholen, den haben wir dann aufgeholt, darüber wird noch

die Rede sein, das war nicht ganz einfach. Aber es soll die Zeit etwas charakte-

risieren, es war dieselbe Zeit, als das Buch erschien von den na ja den Welt

na, wie wars, ja das Buch von, jetzt fällt mir der Name nicht ein, ein bekanntes

Buch, so bekannter Name, aber das kommt eben durchs Alter. Nein, nicht, mir

fällts ein und ich sags ja nachher. Ja auf jeden Fall es waren nun die äusseren

Umstände, der Schwung, der eigentlich aus der Bevölkerung hätte kommen

müssen, aber damals eben leider nicht kam. Er stellte sich später ein. Wie wir

trotzdem den Rückstand aufgeholt haben, das kann am besten Herr Thomas

oder Herr Rebstock dann schildern.

 

(HGS) Danke. – Ich will Ihnen auch gar nicht widersprechen, denn, dennoch muss ich an meinem Kopf kurz kratzen und sagen, es war aber in der Zeit, als es dann hier wirklich kritisch wurde. Was in den Ende fünfziger Jahren an Stimmungen gemacht wurde, die sich bis in die achtziger Jahre gegen die Halbleiterei aussprachen

gab es ja plötzlich eine Welle von Firmengründungen und Produktionseröff-

nungsstätten, die von anderen, als deutschen Unternehmen durchgeführt

wurden. So z.B. kam Fairchild, SGS und Texas Instruments nach Europa und

stellten sich der Herausforderung, in diesem Klima etwas zu schaffen.

Herr Dr. Schütze, zwei kurze Fragen, wie waren die Anfänge, wurde gleich ein

goldener Käfig gebaut für Sie, oder wie ging das los?

(Dr. Schütze):

Nein, nein, also ich hab in 1966 wie ich bei Texas Instruments anfing, die ersten 9 Monate in Dallas verbracht und habe dort erlebt und mitgearbeitet integrierte Schaltkreise im N-PAC also im Plastikgehäuse zu fertigen. Das war kein Zuckerlecken damals. Aber als es dann nach einigen Monaten soweit war, kam die Nachricht, ja in Deutschland – Texas Instruments war bereits in Deutschland ansässig zu der Zeit, am 1. April ist das Werk aufgemacht worden in Freising - kam die Nachricht, ja wir haben einen Grossauftrag von Siemens für TTL-Schaltkreise, aber unter der Bedingung, Fertigung in Deutschland. Ja und dann hat man mir einen grossen Koffer hingestellt und dann habe ich alles eingepackt, die ganzen Maschinen und alle Erfahrung die wir hatten, hab die nach Deutschland transportiert und dort war das Bett nicht vorbereitet. Wir sind angefangen im Pferdestall und haben dort die ersten integrierten Schaltkreise gebaut. Das war dramatisch, aber wir habens durchgezogen. Zur Wettbewerbssituation, die mein Herr Hofmeister geschildert hat, damals die aus der Öffentlichkeit kam, und dass viele dagegen waren, habe ich nichts gemerkt, muss ich ehrlich sagen. Wir waren beseelt von dem Gedanken damals, TTL, also Logik-Schaltkreise in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen. Für uns gab es keine deutsche Konkurrenz bei diesem Vorhaben, allerdings ich musste mich nur auseinandersetzen mit amerikanischen Konkurrenten auf deutschem Boden oder im deutschen Markt. Aber wir hatten entscheidene Vorteile erarbeitet und insbesondere ein Konzept erstellt, wie man modernes Marketing für Hochtechnologieprodukte betreiben sollte. Ich hab damals das 3-Säulen-Konzept entwickelt. Diese 3 Säulen bedeuten Säule 1 = Produkterfindung, Säule 2 = Produktpositionierung und Säule 3= Produktbetreuung. Und ich sag immer Produkt, ich sag nicht IC oder Schaltkreis. Ein Schaltkreis zu verkaufen, wenn es dann gelingt, das ist einfach, aber ein Produkt in den Markt zu bringen und zum Erfolg zu verhelfen, das ist eine ganz andere Sache. Dazu gehört natürlich ein innovativer Schaltkreis mit Langzeitperspektiven, es gehört eine gute Datensammlung dazu und keine fliegenden Blätter. Ein ganzes Buch. Damals hatten wir das TTL-Databook zur Verfügung. Wir haben dann Workshops eingerichtet für unsere Kunden um die neue Technologie zu lernen. Richtig wie in der Schulklasse. Dann wurde zur Applikationsunterstützung, zur allgemeinen Applikationsunterstützung das TTL-Kochbuch herausgebracht. Ich weiss nicht, ob sich jemand hier in diesem Auditorium daran entsinnen kann, und schliesslich die applikationsspezifische Design-Unterstützung. Das nenne ich Produkt-Innovation. Die Produktpositionierung im Markt, hängt von drei Faktoren ab. 1. von der Kundenwahrnehmung von dem Lieferanten, von der Kundenwahr-

nehmung vom Markt und von der Kundenwahrnehmung vom Produkt. Die Kundenwahrnehmung der Lieferanten war für uns sehr wichtig. Das mündet zunächst mal in einem Kommittment von der höchsten Stelle der Firma von Corporate bis runter in alle Managementebenen für dieses Produkt. Unsere Aussagen wurden natürlich gemessen und wir haben grossen Wert gelegt auf die Zuverlässigkeit unserer Aussagen. Das gehörte auch zur Erfolgsgeschichte von TTL und natürlich die Bereitstellung von Ressourcen. Die erste wichtigste Ressource, die habe ich Ihnen eben schon genannt, war die Forderung der Kundenfertigung in Deutschland, die zweite wichtige Ressource war die Investitionen in die Qualitätssicherung und in die Liefertreue. Und die letzte Ressource, die wir damals hatten und die uns sehr geholfen hat, damals gabs noch kein Internet, aber Texas Instruments hatte ein Satelitten-gestützes e-mail-System zwischen allen 44 Werken in der ganzen Welt. Also damals, wir hatten intern im Hause, wenn Sie so wollen, Internet. Unser eigenes. Die Kundenwahr-

nehmung vom Markttrend war ausserordentlich wichtig, nicht nur PR-Aktivi-

täten, sondern insbesondere die Preisfindung. Ein Kunde, der ein Produkt

einbauen will, der muss sich darauf verlassen können, wenn er denn in zwei

bis drei Jahren sein Produkt, sein eigenes, auf den Markt bringen will, was

sind denn die Preise für die IC's. Diese Volumenstaffeln zunächst einmal

wenn das von eins über hunderttausend oder zehn- oder hunderttausend

Stück, waren von Anfang an zur Verfügung und es war noch mehr zur Ver-

fügung, nämlich das Wissen, dass mit der Verdopplung des Marktvolumens

die Preise um 70 ja auf 30% fallen würden, das nennt man das sogenannte Lernkurvenprinzip, so dass der Kunde genau wusste, in drei bis vier Jahren da bin ich also richtig in der Grossproduktion mit meinem Produkt und weiss auch genau was es kostet und er konnte planen. Die Kundenwahrnehmung vom Produkt sehr wichtig, wir haben darauf Wert gelegt, dass das TTL eine Spitzentechnologie war, die wir damals zur Verfügung hatten. Das nicht nur diese eine Serivielleicht eine Eintagsfliege sei, sondern dass wir dahinter standen weitere Produktserien zu entwickeln und eine Produktkontuinität in unserem Produktspektrum gewährleistet war. Und dieses langfristige Engagement mit dem des Lieferanten, das ist auch eine wichtige Säule für die Produktpositionierung. Soweit zur Produktpositionierung und jetzt kommt die Produktbetreuung.

 

Der Designer in einem Entwicklungslabor möchte ständig guten Kontakt haben

zu seinem Lieferanten und dafür hatten wir die Product-Marketing-Abteilung

und PMI's, die Product-Marketing-Ingenieure, die bestens ausgebildet

wurden, so dass der Kunde immer, wenn er wollte, den gleichen Product-

Marketing-Ingenieur am Telefon oder persönlich zur Verfügung hatte. Es

wurden rote Telefone eingerichtet, wenn nötig. Das wurde ergänzt durch

unsere Verkaufsmannschaft draussen im Felde, die Sales-Crew, wie wir

das genannt haben, die zunächst mal die Kundenbeziehung aufbauen

mussten, dann weiter die logistische Unterstützung machen mussten und

last not least, die Förderung der Wahrnehmung des Kunden zu gewähr-

leisten. Und diese drei Faktoren waren die Schlüsselelemente für unseren

Erfolg. Und ich möchte eine historische Anmerkung, wenn Sie mir er-

lauben, noch machen. 12 Jahre später, also etwa 1980 hat Intel in

Kalifornien die Operation „Crash“ ins Leben gerufen, um ihre Micropro-

zessoren, insbesondere dem 8080 zum Durchbruch zu verhelfen. Und

diese Operation „Crash“ ist exakt das, was ich Ihnen eben geschildert

habe. In glänzender Weise dargestellt in dem Buch „Marketing High

Technology“ von Bill Davidoff. Danke schön.

(HGS)

Danke Herr Dr. Schütze. Ich habe zwei Dinge, die ich aufgreifen möchte. Das eine ist, die Aussage, dass Herr Dr. Schütze mit seiner Crew bereit war, dem Kunden Voraussagen zu machen, über die Kosten der Produkte, die er habe. Herr Dr. Freiesleben hat er Sie da unter Druck gesetzt oder war das für Sie

eine Selbstverständlichkeit an den Dingen zu arbeiten.

(Dr. Freiesleben):

Wir haben Silizium an alle Chip-Hersteller geliefert und wurden von allen

fast gleichmäßig unter Druck gesetzt, haben aber auch unsererseits auch

rund 14% des Jahresumsatzes für die Forschung ausgegeben, um eben

versetzungsfreie Kristalle herzubringen, um die Sauberkeit herzubringen,

um Polituren herzubringen, die etwa den Ebenheiten eines Fußballfelds

entsprechen, auf dem nur eine Reiskorn Abweichung zulässig ist und der-

gleichen mehr. Wir haben im Jahr 1980 etwa 4000 verschiedene Silicium-

Produkte gehabt, das waren die verschiedenen Kristalle und die verschie-

denen Durchmesser und 25 verschiedene geometrische Forderungen,

25 verschiedene elektrische Forderungen. Um nur ein paar Preise zu

nennen: das metallurgische Silizium kostete 1,00 $ das Kilo. Das Poly,

also das polykristalline Reinstsilizium kostete 50,00 $ das Kilo. Die ge-

sägten Scheiben kosteten immerhin pro Kilo 10.000,- DM, die geläppten

Scheiben 12.500,- DM, die polierten Scheiben 17.500,- DM und die epi-

taxierten Scheiben kostete das Kilo doch immerhin 50.000,- DM und

diese Preise wurden von allen Chip-Herstellern heftig angegriffen und

waren aber nie mehr als etwa 4% der Gesamtkosten des Chips. Wir

haben mal unseren Sauerstoffgehalt verändert für eine Intel-Scheibe,

jeder hatte natürlich seine eigene Spezifikation und mit diesem neuartigen

durch Zufall natürlich entstandenen Sauerstoffgehalt hat Intel statt 300 Chips

pro Wafer, 400 Chips pro Wafer heraus gebracht. Also es war doch immer-

hin ein erheblicher Wertzuwachs. Und hab ich zum Gordon Moore gesagt:

Gordon wenigstens $ 6,00 pro Scheibe, auch für uns – unmöglich. Dann

hat er gesagt, das geht den Einkauf was an, aber nicht mich. Und der

Einkauf hat gesagt: kommt überhaupt nicht in Frage. Also, soviel zu Kosten.

 

(HGS) Vielen Dank. OK. Vielen Dank. Also wir hören ganz klar heraus, dass Sie unter permanentem Druck gestanden sind und ich habe noch eine schnelle Zusatzfrage, vielleicht greifen Sie noch einmal zum Mikrophon. Dennoch, obwohl dies ja klingt wie Barrieren für Wachstum, was Sie uns gerade so vorgetragen haben, sind Sie ja wahrscheinlich auch mit Ihren Voraussagen über weitere Kostensenkungen oder nächste Generation Produkte für grössere Scheiben dem eigentlichen Trend gefolgt und immer weiter als Untenehmen auch gewachsen. Ist das richtig, oder falsch, was ich gerade gesagt habe.

(Dr. Freiesleben)

Da muss ich eine Bemerkung machen. Wacker hatte in Mitte der siebziger Jahre

etwa 25% Marktanteil in den USA, so dass unsere amerikanischen Kunden

gemeint haben, wir wollen nicht gern versorgt werden aus einem Werk, das

nur anderthalb Panzerstunden vom Eisernen Vorhang weg operiert. Ihr müsst

in Amerika investieren, sonst bleibt Ihr nicht unser Lieferant. Dann, wie sich

das rumgesprochen hat, dass wir in Amerika investieren wollen, hat unsere

Konkurrenz die Preise um 28% gesenkt, um uns abzuschrecken und das ganze

Projekt uninteressant zu machen. Ich habe das dann übernommen damals,

dieses Projekt der Investitionen in USA und meine erste Massnahme war,

die Preise um 12% raufzusetzen. Ich glaube, das ist nur einmal in der ganzen

Weltgeschichte passiert, aber es ist mir gelungen, weil ich darauf hingewiesen

hab, wenn Ihr nicht weiter sauberes Silizium haben wollt, dann drückt weiter

die Preise, aber wenn Ihr davon abhängt und interessiert seid, dass Ihr weiterhin

das Material habt, was Ihr braucht, dann bitte zahlt mir die Forschung und zahlt mir das was ich brauche, um Euch weiter beliefern zu können. Danke schön.-

(HGS)

Ich danke. – Und vielleicht jetzt noch ein Schlag wieder zurück, denn wir hatten

vorhin von Herrn Dr. Hofmeister gehört, dass die deutsche Industrie, das heisst die europäische Industrie, Sie hatten spezifisch gesagt Siemens und Philips, das

Gefühl hatten, zurückgefallen zu sein und nun zur Aufholjagd ansetzten. Herr

Dr. Rebstock und Herr Thomas, Sie beide sind Aufholjäger. Sie können sich

die Worte teilen.

(Dr. Rebstock)

Vielleicht noch einige, noch zwei Punkte zu dieser ganz frühen Vergangenheit, die da angesprochen wurde. Was Herr Hofmeister sagte. Ich musste selbst Reden halten in evangelischen Akademien, dass ein Christ Microelektronik machen kann und musste unser Abwasser austrinken, damit man zeigen konnte, dass unser Abwasser, was wir aus der Fabrik rausgeben, trinkbar war. Da gings um den Fluorgehalt, der uns verboten war, obwohl er niedriger war als der Fluorgehalt der im Trinkwasser in Amerika ist. Das war zunächst mal ein Punkt. Dann möchte ich doch noch mal vielleicht kurz einen Bogen zurück machen, ehe wir dann in die Hauptkampfzeit hier eintreten. Ich möchte noch kurz sagen, dass bereits die Siemens AG im Jahre 1954 den ersten volltransistorisierten Rechner gebaut hat. Da hatte IBM noch keine Rechner volltransistorisiert und zwar für die, die sich für die Geschichte interessierten, das waren also sogar Spitzentransistoren und legierte Germaniumtransistoren, die wir in der ganz frühen Halbleiterfabrik der Siemens AG gemacht hatten, die Herr Dr. Sieberts in

München aufgebaut hatte. Herr Dr. Sieberts übrigens ein Mann, der früher

also auch schon bei Siemens war und also die erste Elektronik in das Militär

zum Beispiel in das Schlachtschiff „Bismarck“ eingebaut hatte, das also mit

der vierfachen Feuergeschwindigkeit fahren, schiessen konnte und Dr. Sieberts ist beinah erschossen worden im Krieg, weil das mal nicht funktioniert hat. Er

hat also die Halbleiterfabrik in München dann aufgebaut und wir waren zu-

nächst natürlich mit Germanium und wir haben die Transistoren für diese

ersten Rechner gemacht, die zunächst in Germanium, später in Silizium und

dann später in TTL gemacht wurden und später dann noch in den, mit Micropro-

zessoren und Speichern. Dazwischen kam nochmal eine Phase, also das

Halbleiterwerk der Siemens AG war immer etwas aufgeteilt für den offenen

Markt, für das Entertainment auf der einen Seite und für die Bedürfnisse der

Siemens AG. Zum Beispiel für schnelle Rechner mussten wir ECL entwickeln,

es gab damals die verschiedensten Rechnersysteme und Logiksysteme,

die TTL, die Texas Instruments hier vor allem erfolgreich propagiert hat, ist

also die, die sich am Schluss durchgesetzt hat. Es gab damals aber fünf oder

sechs und die wurden dann alle, mussten zum Teil bei uns gefertigt werden.

Wir hatten sogar innerhalb der Siemens AG noch ein zusätzliches Problem,

es wurde von den Anlagenbauern festgestellt, dass die TTL von Texas

Instruments damals zu störempfindlich ist im Umfeld von grossen Maschinen.

Wir hatten dann eine spezielle TTL noch entwickelt auch mit etwa acht bis

zehn Untertypen, die also störunanfälliger waren, aber die Geschichte hat für

Texas entschieden, weil man hat später gelernt, also dann macht man lieber

die billigen Transistor-Schaltkreise und tut drei Kondensatoren davor an der richtigen Stelle. Das war eine Fehlentscheidung, in die wir mal reingelaufen sind, da mussten wir dann Texas TTL's direkt in Massen dazu kaufen und das war dann die Anforderung, dass wir bei Texas sehr viel einkaufen. Ich darf vielleicht noch eines dazu sagen, wir hatten dazwischen drin in der, in der Unterhaltungs- elektonik noch einen ganz wesentlichen Zwischenfall noch dazwischen. Es war nämlich so. In Mitteleuropa und speziell in Deutschland hatten wir zuwenig Mittel-

frequenzsender. Wir mußten als Erste ins UHF und VHF und da gab es eine,

eine Schlacht auf Germaniumtransistoren zwischen Philips und uns, POB, Mesa-

transistoren, wo wir dann mit einer besseren Technik, als damals Texas

Instruments, die besseren Transistoren machen konnten. Mit besseren

Rausch- und Verstärkungseigenschaften, weil wir Techniken der Röhren

eingesetzt hatten, während bei Texas Instruments die Bedampfungen durch

ein Loch von zwei Quellen ausging, hatten wir eine Verschiebungsvorrichtung

aus Tantal und diese Transistoren waren dann weltbeherrschend für etwa

10 Jahre. Wir haben also in diesem ganzen Zwischengebiet, also auch TTL's

gemacht, natürlich nicht so in riesen Stückzahlen und dann ging es eben los

mit den Speichern, nachdem erst die große Erfindung der Planartechnik, da

wurde ja schon mehrfach drüber gesprochen. Und dann, als der Sputnik hoch-

ging und in den USA Milliarden in die Militärforschung reingingen, gings dann

erst so richtig los. Ich hatte vorhin schon erzählt von der Erfindung auch un-

seres Dr. Stein für die dynamischen RAM's und dann kamen die Speicher

und Intel ist ja hier explodiert und hat den ganzen Markt an sich gezogen.

Dann kamen später die Microprozessoren. Es ist jetzt viel zu wenig Zeit,

als das wir hier im Detail darauf eingehen können, und dann sind die

Japaner angetreten in einer Art, die uns völlig überrascht hat. Ich kann

das ganz gut verfolgen, weil einer der leitenden Herren von Fujitsu, den hab

ich in meinem Germaniumlabor ausgebildet und als wir später ihn fragten,

wie könnt Ihr diese Preise unterschreiten, da hat er gesagt: Ja, ich hab Eure

Verfahren angewandt. Wir hatten damals schon entwickelt ein Verfahren,

die Weiterentwicklung an der hochlaufenden Fertigung zu machen, weil die

Halbleiter sind sehr empfindlich. Wenn man da was variiert, ist die Ausbeute

weg. Das ist ein sehr hartes Problem. Ich hab jetzt gestern in der Zeitung ge-

lesen, dass Professor Günther Schuh die Lean Innovation erfunden hat, also die Weiterentwicklung an einer hochlaufenden Fertigung, die man in den

Halbleiterfertigungen immer schon machen musste. Wir haben uns dann immer

wieder geärgert warum die Japaner uns so unterbieten konnten. Wir hatten

in der Zwischenzeit die Halbleiterspeicher gemacht, die 16K, den 52K und

so weiter, und wir waren in den Kosten immer unter den Japanern. Und wir

haben Jahre gebraucht, bis wir das durchschaut haben und verstanden haben,

dass es daran hing, dass in Japan die Immobilienpreise und die Aktienkurse so

hoch gestiegen sind, dass alle japanischen Halbleiterfirmen NEC, Hitachi, Thoshiba usw. ihre Abschreibungen nicht verdienen mussten. Es ist so, die

Wertsteigerung dieser grossen Konglomerate, das waren ja alles nicht nur Halbleiterfabriken, sondern auch riesen Firmen, die eben gesagt haben, wir

müssen die Microelektronik in Japan haben. Die haben die Preise so senken

können, weil sie die Abschreibungen nicht verdienen mussten. Mir hat gestern

Herr Dr. Freiesleben noch erzählt der Quadratmeter im Tokio- Zentrum kostete fünfhundert tausend Mark damals. Und wir und auch die Amerikaner, Intel hat ja damals auch Speicher eingestellt, haben uns verblutet an diesen Kostensituationen und das ist einer der großen Gründe weshalb die europäische Halbleiterindustrie so grosse Probleme hatte. Wir hatten damals schon eine gewisse Zusammenarbeit angefangen, schon in der Einzeltransistorzeit hatten wir Typenkommissionen zwischen Philips, Telefunken und Siemens, damit wir nicht Typen fertigen, die nicht kompatibel sind. Das war eine hoch interessante Vorentwicklung zu den späteren Stufen, dass wir nämlich uns nur Konkurrenz machen in der Qualität und in den Ausbeuten und den Preisen, aber dass wir die Typen in einer Typen-Kommission abgestimmt haben. Das waren die ersten Anfänge. In Japan - wir haben dann die ersten Besuche zusammen mit dem BMFT damals in Japan gemacht. Stellte sich ja sehr schnell heraus, dass da die zentralen Instanzen das..MITI, das Ministerium für Handel und Industrie und das berühmte Institut von NTT, das war also das Nachrichtentechnische Institut, ungeheure Mittel hereingestellt haben, um Fertigungsproduktionsmittel herzustellen. Es gab da eine riesen Gruppierung, die also die Fertigungsmaschinen, die ja immer komplizierter wurden. Es gibt ja heute keine, die weniger als eine Million Euro kostet. Wir haben damals die Maschinen noch selbst gebaut gehabt. Es ist diese ganze Industrie entstanden und dies von MITI massiv unterstützt worden. Hier und in dieser Zeit hat uns dann das Ministerium geholfen. Es war für Siemens auch zum Beispiel für Siemens auch immer ein Problem diese Rieseninvestitionen zustande zu bringen, für eine neue Halbleiterfabrik sofort eine Milliarde hinzulegen. Das waren große Probleme und es war jetzt die Frage, ob man die Japaner in der Hauptkampflinie angreifen kann. Philips hat damals gesagt, wir nehmen nicht die Hauptkampflinie, das waren die dynamischen Speicher, die D-RAM's. Siemens hat gesagt, wir gehen in die Hauptkampflinie und das hat uns auch sehr viel Geld gekostet weil hier waren die Spitzentechniken, die größten Scheibendurchmesser. Siemens hat später als eine der ersten Firmen

die 30-Zentimeter-Scheiben eingesetzt und wir haben die modernsten Techniken

gemacht, aber wir haben gesehen, wir laufen den Japanern immer eine Genera-

tion nach. Dann kam die entscheidende, wir hatten dann damals gerade einen

neuen Forschungschef, das war Professor Beckurts, der dann später umge-

bracht wurde und wir hatten einen neuen Vorstand. Unsere Vorstände haben auch immer in jeder Rezession mal gewechselt, so alle vier Jahre, weil die Halbleitertechnik ja so ein Schweinezyklus hat, ja, war Dr. Franz da und dann wurden die ersten großen überregionalen Projekte, das sogenannte Mega-Projekt mit dem BMFT zusammen geschaffen, das also die großen Firmen in Deutschland: Philips, Siemens, Telefunken und noch viele kleinere Firmen, die also Geräte zugearbeitet haben, zusammenarbeiteten, um jetzt eine Generation zu überspringen.

Ich hatte vorhin gesagt, Siemens hatte an mehreren Stellen Halbleiter

gemacht. Wir haben ein Forschunslabor mit Halbleitern, wir hatten eine Fabrik mit Halbleitern. Wir haben die Leute zusammengeworfen und haben ein gemein-

sames Team gemacht und dann dieses Mega-Projekt, das also vom Ministerium

 

mit gefördert wurde, durchgezogen und haben dann die Konkurrenz erreicht und

haben die Japaner erreicht. Wir hatten da noch einen, einen Defekt, der uns schwer zurückgeworfen hat, um 9 Monate. Da ging es um Reinheit von H202. Das haben Sie auch mitgekriegt. Es hat sich rausgestellt, dass unser H202 in

Deutschland nicht so einwandfrei funkioniert, als in Japan. Und der Witz war,

dass unseres reiner war, als das japanische, weil da müssen nämlich Stabilisa-

toren rein, und wir haben also teilweise, also H202 von Japan einfliegen müssen,

weil die deutsche Industrie immer gesucht hat, die chemische Industrie, es noch

sauberer zu machen und es ging nur mit spezifischer Verunreinigung. Das hat uns neun Monate zurückgeworfen, aber dann haben wir, und das sehen

Sie ja heute, oder sahens bei Infineon, wie die Fabrik in Dresden angelaufen ist,

gleich mit den großen Durchmessern, diesen Rückstand aufholen können. Muss

allerdings sagen, ohne diese Zusammenarbeit und die Hilfe des BMFT wäre

das nicht so möglich gewesen. Wollte das nur noch sagen, weil es vorhin etwas

pessimistisch aussah, die europäische Halbleiterindustrie die hat sich schon ge-

fangen, aber Probleme sind natürlich heute auch an allen Ecken wieder zu sehen.

(HGS)

Herr Thomas vielleicht? –

(Dr. Thomas)

Um sich in High Tech-Märkten zu positionieren, braucht man einen viel längeren Atem als gewöhnlich angenommen wird. Eigentlich fing es an 1968 mit den

Technological Gap Studien der OECD, bei der deutlich wurde, dass die deutsche Industrie, die europäische Industrie insgesamt, in einigen wichtigen High Tech-Feldern zurückhängt. Das hat dazu geführt, auch zusammen mit dem Buch von Jean-Jacques Servan-Schreiber „Die amerikanische Herausforderung“, einige werden sich erinnern, mit dem Vorwort von Franz-Josef Strauss nebenbei bemerkt. Das hat dazu geführt, dass aus dem Atom- und Wissenschaftsministe-rium ein richtiges Forschungsministerium wurde, mit dem Anspruch, ein Industrieministerium zu sein und das stand im totalen Gegensatz zur Grund-philosophie des Bundeswirtschaftsministeriums. Dieser Widerspruch ist eigentlich erst aufgelöst worden, irgendwann in den neunziger Jahren. Die Analyse Anfang der siebziger Jahre war ja: wir haben Micro-Elektronikproduk-

tion in Deutschland verschiedenster Art, damals gabs ja auch noch Heilbronn, AEG-Telefunken. Die Analyse war: eigentlich sind wir gar nicht so schlecht.

Ich erinner mal nur an das Beispiel der Microprozessoren. Olympia, also ein

Teil von AEG-Telefunken, hatte einen Microprozessor entwickelt den CP 3F.

Er war im wesentlichen fast so leistungsfähig, will ich mal vorsichtig mich aus-

drücken, wie der von Intel. Die Frage stand dann an, ob die nächste Stufe,

die war schon konzipiert, als der CP 5F gemacht werden sollte. Und das

Management von AEG-Telefunken, das im Zweifel von Halbleitern nicht allzu

viel verstanden hat, wenn ich das mal so sagen darf, hat diese Entwicklung

gestoppt. In Amerika wäre dann die Truppe, die das gemacht hat, zusammen

mit einigen Technologen und vielleicht Venture Capital finanziert, rausgegangen,

damals war das noch nicht so teuer und hätte versucht, eine eigene Firma zu

gründen. Das war der erste Unterschied, den wir in den siebziger Jahren ge-

sehen haben. Und es war ja offensichtlich so, dass nicht einer der grossen Konzerne, und die habens ja versucht in den USA, nicht einer der grossen

Konzerne in der Microelektronik überlebt hat. Sind alle kaputt gegangen. Ich

denke an Rockwell zum Beispiel, die damals mit AEG noch kooperiert haben

und viele andere, Westinghouse und so weiter. Es waren Neugründungen,

junge Wachstumsunternehmen und es war natürlich auch der Markt. Der Auf-

schwung in USA in der Microelektronikindustrie war natürlich auch verbunden mit dem Aufschwung der Computerindustrie und der Aufschwung der japanischen

Microelektronikindustrie war nicht nur durch Speicher, die ja weltweit ver-

kauft werden können, vor allen Dingen durch die Unterhaltungelektronik

vorangekommen und zwar ganz gewaltig vorangekommen. In Deutschland

haben wir uns damals Mitte der siebziger Jahre überlegt, ob wir nicht auch

insbesondere im Mittelstand mehr machen können, was die Marktentwick-

lung angeht. Und ich will das hier nicht im einzelnen ausführen, nur ein

Programm nennen, in das 450 Millionen hineingeflossen sind, nämlich

das Sonderprogramm „Anwendung in der Mikroelektronik“, das mittelstands-

orientiert war und ganz wesentlich dazu beigetragen hat, dass der Umstieg

von Mechanik auf Elektronik im deutschen Mittelstand beschleunigt worden

ist. Diese 450 Millionen einer Studie des Sparkassenverbands haben etwa

20 Milliarden Investition im Mittelstand ausgelöst. Das waren Wirtschafts-

faktoren. Das zweite war, wir meinten es müsste doch auch in Deutschland

Neugründungen geben können, also gab es dann ein Programm, das hiess:

Technologie orientierte Unternehmensgründungen. Das kam etwas später,

das hat 1982 angefangen. Hat sich dann eigentlich entwickelt bis zum Zu-

sammenbruch des „hype“, also bis zu der großen Börseneuphorie in

ganz positiver Weise. Wir hatten auf einmal eine Venture Capital Industrie

in Deutschland in den neunziger Jahren. Wir hatten eine Börse in Deutsch-

land. Es konnten Unternehmen gegründet werden, übrigens einer der Gründe

warum wir in der Biotechnologie gar nicht mal so schlecht dastehen. Das

dritte war aber, die Unternehmen, die bei uns Microelektronik gemacht

haben, und das waren in Deutschland ja im wesentlichen deutsche Unter-

nehmen, es gab ja ausländische Unternehmen, wurde ausgeführt Siemens

und AEG, Heilbronn, und es waren in Europa am Ende ja STM und

Philips natürlich. Ja also, Thomson SGS und Thomson zusammen

STM. Und die Schlußfolgerung mit diesen drei grossen etwas in abgestimm-

ter Weise zu machen, insbesondere auch in Richtung Equipment-Bereich,

daß war ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt, die wurde natürlich auch

begleitet von der Aussage: wir fördern überhaupt nur, wenn ein Engagement

der Unternehmen gesichert ist. Und Sie haben ja vorher von Herrn Rebstock

gehört, man muss dummerweise ja in der Halbleiterindustrie in der Baisse in-

vestieren und um das zu kapieren muss man schon mal eine Pleite mit

gemacht haben im Vorstand. Wenn Sie aber den Vorstand so schnell aus-

wechseln, dass Sie das gar nicht erleben können, dann ist es schwierig.

Und in so einer Situation war der Siemens-Vorstand. Der Halbleiter-

Vorstand wechselte ständig. Die Leute brauchten ein Jahr um zu ver-

stehen wie diese Industrie funktionert und hatten sie noch zwei bis drei

Jahre und dann waren sie wieder weg. Von Friedrich Baur mal abgesehen,

der aber auch dann weg war. Und, das Problem war also, dass ein Ministerium,

was nun nicht ganz einfach ist, den Leuten sagen muss: Ihr müßt investie-

ren, sonst kriegt ihr kein Geld mehr. Und diese Aussage musste glaubhaft

sein. Dass Siemens kein Geld mehr kriegt, ist gar nicht so trivial, aber war

damals ausreichend glaubwürdig und führte tatsächlich sowohl bei Philips

wie bei Siemens zu Verpflichtungen, was die Investments angingen. Dieses hat

sich wiederholt und ich will das jetzt hier nicht weiter ausführen, noch nicht bei

Jessi, wobei Jessi mal in Paris erfunden worden ist und hiess Joint European Silicon Sub-Micron Initiative, dass I stand für Initiative, es hiess dann anders später, ist bei Jessi nicht wiederholt worden, waren zu komplizierte Konstruktionen aber ist dann glücklicherweise in der Zeit, als das 300 mm-Projekt ankam, wiederholt worden. Siemens oder Infineon dann, aber auch die Partner, da gibT's ja Partner ein bisschen nach Freiberg, nicht wahr? Für die Herr Freiesleben sehr viel auch gemacht hat in fantastischer Weise, die haben sich dann auch verpflichtet zu investieren. Und im übrigen kann ich den Qimonda-Leuten nur raten, sie sollen mal die Verträge lesen der Förderung. Damit will ich erst mal Schluss machen.

 

(HGS)

Ja, es ist also wieder angesprochen worden, es hat Probleme gegeben, Rückschlüsse, Rückstände gegeben, es hat Aufholjagd gegeben, es hat Förderungsmittel gegeben und ganz am Anfang hatten Sie Herr Dr. Thomas dann schon darauf hingewiesen: letztendlich sind dann zu dieser Zeit etwa 3 europäische Unternehmen immer noch unter den ersten zehn zu finden

in der Welt, dennoch werden nach wie vor mit grossen Bedenken über die europäische Halbleiterposition in der Weltindustrie diskutiert und wenn ich dem Ganzen, was wir heute diskutiert haben, so diskutiert haben, nochmal Revue passieren lasse vor meinen Augen, dann bedarf es doch im Prinzip nur dreier wichtiger Dinge. Das heißt : ein konstantes Management, eine klare Planung in bezug auf welche Produkte die Kunden abnehmen werden und da gibt es natürlich weltweit andere Dimensionen, und das dritte ist natürlich, mit Top-Leuten nur die Dinge umsetzen, in Zusammenarbeit mit den Kunden. Herr Kesting, Sie haben heute leider sehr wenig sagen dürfen, aber Sie sind der Jüngste im Feld und ich wollte noch mal ganz kurz Ihre Stellungnahme hören zu dem Thema: Management, Geldverfügbarkeit und im richtigen Zeitpunkt das Richtige tun. ST Microelectronis, SGS und Fairchild sind ja nun ständig „ In“ gewesen und „Out „ gewesen, und inzwischen wieder „ In“. Gibt es dafür einen kleinen historischen Abriss, wie das da eigentlich zu kommen konnte, daß ST Microelectronics heute zum Beispiel nicht an erster Stelle in der Welt steht.

 

(C. Kesting):

Ja, dazu möchte ich auch noch eines sagen, es wurde vorhin ja darüber ge-

sprochen, mit welchem Widerstand wir in Deutschland kämpfen mussten gegen

Kirche und sonstige Dinge und was also die vorherrschende Meinung war, was,

wenn 8 Röhren billiger sind, warum soll man dann diesen Chip entwickeln. Dazu

ein kleines Beispiel: bei der Firma Fairchild, wie vorhin schon anklang, es gab

also in den sechziger Jahren eigentlich nur VHF-Fernsehen und dann war die

Idee, Mensch wir bräuchten noch eine neue Sache, nämlich UHF, dafür gabs

aber noch keine Halbleiter und dann hatten wir, das muss man auch noch dazu

sagen, die Firma Fairchild, Herr Jack Kilby, hat zwar das Patent für den ersten

IC bekommen, also den ersten integrierten Schlatkreis, aber praktisch war es

es nur mit der Planar-Technologie machbar. Und die Planar-Technik wurde

bei Fairchild erfunden, und Fairchild war natürlich im wesentlichen dadurch

gross geworden durch die Militärindustrie in Amerika und die Raumfahrt. Sie er-

innern sich an die Projekte damals noch unter Kennedy, also auch vorher. Das

Ganze war natürlich ein unheimlicher Druck auf die Microelektronik, denn mit den

Röhren wäre, hätte niemand zum Mond fliegen können. Das heisst also, der eigentliche Motor am Anfang zumindest für das Wachstum der Microelektronik war die Luft- und Raumfahrt. Und als Beispiel, Fairchild hatte also einen UHF-Transistor entwickelt der sogenannte 1211. Der kostete nur 100 Dollar. Die Armee war bereit das zu zahlen: 100 Dollar. Aber der damalige Chef des FCC, also des amerikanischen Fernseh Kontroll Gremiums sagte, na 100 Dollar kann ich mir nicht leisten. Und dann frage man was brauchen Sie denn, ja 1 Dollar und dann wurde bei Fairchild, also nicht gesagt, na ja wenn 8 Röhren billiger sind, dann machen wir das nicht, sondern man hat gesagt, ok, das packen wir irgendwie, mit der Ausbeute das kriegen wir hin, machen wir. So kam also UHF in die USA, später ja auch zu uns. Also das mal nur ein bisschen nur zu den Entscheidungen. Aufs Management muss man auch ganz klar sagen, ja SGS Fairchild war am Anfang eine Joint Venture. Die Technologie von Fairchild, Management auch amerikanisches Management by Objectives ausgeführt von Europäern, hat ganz gut hingehauen. Als aber dann die erste Krise so Anfang der siebzigerJahre kam, ging das also auch in die Brüche. Dann hat der Staat des übernommen. Der Umsatz von SGS ging ständig runter. Die Verluste gingen immer höher. Nach 10 Jahren hat sich der italienische Staat gesagt, das kann ja wohl nicht weiter gehen. Hat den Pasquale Pistorio geholt, der bei Motorola war und hat ihm gesagt: pass mal auf, weil die Italiener kämpfen ja mit den gleichen Problemen wie wir in Deutschland, Gewerkschaft etc. Wir geben Dir hier freie Hand. Du kannst machen was Du willst. Pasquale hat das angenommen `82 und hat also SGS übernommen. Sein Plan war innerhalb von 5 Jahren auf eine Milliarde zukommen. SGS war damals ungefähr bei 300 Millionen Umsatz und ein Nichts im Weltmarkt. Er hat's dann in dem Zeitraum nicht geschafft, aber er hat es in etwa10 Jahren geschafft an die eine Milliarde, durch den Zusammenschluß unter anderem mit Thomson. Dann gab's noch diese komische Transponder Fabrik in England. Aber hier kommen wir wieder auf Management und Kontinuität. Pasquale hat bis - glaube ich vor zwei Jahren - die Firma ST, also wie sie heute heißt: ST Microelektronik, also die frühere SGS und Thomson geführt. Also man kann sagen, fast 12 oder 13 Jahre lang. Dort also Kontinuität, man muss auch sagen, im Management also in der Firma ST gibt es Leute, die dort 40 Jahre gearbeitet haben, also kein so schneller Wechsel und Pasquale hat praktisch also die Firma SGS Thomson ST Microelektronik , hat uns gezeigt, dass man eine Größe werden kann, einer der Größten der Welt, und ich glaube auch der Grösste in Europa, wenn mich nicht alles täuscht. Und das ist also Kontinuität, aber auch Solidität. Man hat also auf Produkte gesetzt. Man hat aber auch Glück gehabt, also ST hat da so eine E-Prom Familie, na ja, das war ganz gut. Man macht es in Singapore, das lief so, aber dann hat sich Intel entschlossen Ende der achtziger Ende der neunziger Jahre das zu verlassen. Das war natürlich für ST ein Riesending, denn plötzlich waren sie dick im E-Prom-Geschäft. Also Management, Kontinuität, ist also schon etwas sehr wichtiges.

 

(HGS):

Markt haben wir gehört, Management und Finanzen müssen zusammen kommen und darüber aus diesen Gruppen heraus müssen Ideen entstehen

die umgesetzt werden mit den Kunden. Wir sprachen kurz über, noch ganz

ganz kurz über die Computerindustrie, einmal die Militärtechnik, dann die Com-

puterindustrie, aber in Europa gab es doch eine aus der Fernsehgeschichte

heraus und der Radiogeschichte, der Kommunikations- aus der Telekommuni-

kationgeschichte heraus einen wahnsinnigen Drive und ein Hunger nach Halb-

leitern. Wollten die Europäer hier nicht die große Geige spielen?

 

 

(Dr. Rebstock):

Wir haben das auch. Wir haben zum Beispiel mit Grundig. Bei Grundig war ja

ein ganz genialer Entwicklungsleiter, Herr Mangold, der leider zu früh gestorben

ist. Wir haben früher versucht, genormte Halbleiter herzustellen für das Enter-

tainment, also für alle Kunden gleichzeitig, denselben Typ für dieselbe Stufe im

Vorverstärker oder wo jetzt gerade. Und das, die Art ist gescheitert. Wir haben dann ziemlich schnell uns auf Grundig eingeschossen und haben mit Grundig zum Beispiel in einem Jahr etwa zehn VLSI-Schaltkreise gemacht, die alle

in eine Schaltung reinkamen. Wir hatten also zeitweise eine Entwicklungsver-

bindung mit Grundig. Wir haben nur das gemacht, was sie gebraucht haben.

Ähnlich auch mit Teilen von Philips oder Telefunken mit anderen Großkunden

und da hat sich rausgestellt, dass wir also hier diesen Markt für zwei, drei, vier

fünf Jahre völlig dominieren konnten. Das ging für Philips ähnlich. Philips war

ja viel stärker im Entertainment verhaftet und hat auch länger vielleicht auch

daran gelitten ja, während Siemens immer ein bisschen geschwankt hat. Als das

Entertainment dann allzu schwierig wurde, hat Grundig teilweise aufgegeben,

haben wir das natürlich auch zurückgefahren und sind wieder in den kommerziel-

len Markt, also mit Schwerpunkt dann auch Microprozessoren und also embedded Micro Processoren und alles Mögliche, was sich dann entwickelt hat. Es war aber eben die Entertainmentindustrie, war so bis so Anfang der neunziger Jahre, war ein großer Motor, die dann, also für Siemens zum Beispiel durch die Autoelektronik sehr schnell jetzt abgelöst wurde und das ist ja heute ein Riesenpunkt, wo eben auch die Zuverlässigkeit und die jahrzehnte lange Erfahrung mit diesen Halbleitern eben doch sich jetzt auszahlt. Und man sich sogar wundert, ob dort nicht zuviel Elektronik allmählich in den Autos ist. – Danke schön.

 

(HGS)

Letztes Stichwort, zu dem ich gerne einen Kommentar hören würde ist: Sie sagten gerade: Siemens war der Motor und die dominante Komponente in den

großen Konsumindustrie-Unternehmen. In der gleichen Zeit haben andere, Philips ja ist ok, Philips genauso, Intermetall nicht zu vergessen, Intermetall war auch noch dabei, nicht ja. Aber dann , hat denn diese hervorragende Aktivität auch dazu geführt, daß andere neidisch wurden, Herr Dr. Schütze?

 

(Dr. Schütze)

Dazu kann ich folgendes sagen: Es ist ja viel hier jetzt über die Konkurrenzsituation gesprochen worden zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen. Die amerikanischen Unternehmen, die hatten in den Jahren `55 bis `75 den grossen Vorteil, Venture Capital zu kriegen. `75 ist denn ja alles ausgetrocknet mit der Ölkrise. Desgleichen die japanischen Firmen in diesem Zeitraum hatten MITI, MITI hat mit allem Nachdruck das Ministerium für International Trade and Industrie hat mit allem Nachdruck die genannte Miti die japanische Microelektronik-Industrie gefördert. In Europa wurden `84 beginnend mit dem Esprit-Programm 1 die ersten europäischen Investitionen getätigt, zu denen dann auch Jessi und weitere kamen.

Bis heute über diese 20 oder etwas mehr als 20 Jahre 60 Milliarden Euro in-

vestiert. Und ich frage mich hier, warum es mit 60 Milliarden Euro in Europa

keine Firma wie Texas Instruments oder Intel oder ähnliche entstanden und dafür

gibts `nen Grund, nämlich nicht einen, sondern mehrere. Um gegen solche Firmen konkurrieren zu können bedarf es Punkt 1 der Institutionalisierung von Innovation. Ich bin mir absolut sicher, bei Texas Instruments hatten wir das sogenannte OST-System, OST steht für Objectives, Strategie and Tactics. Das war das Rückgrat in der gesamten Firma. Eine dezentralisierte Firmenstruktur, um Eigeninitiative zu förden. Drittens, die Kapitalmengen die nötig sind, um neue Entwicklungen,

 

Wafer Fabs und dergleichen zu generieren, durch marktführende, eigene Pro-

dukte zu generieren und sich nicht irgendwo zu leihen oder sowas. Und viertens

eine Belegschaftsgruppe, das ist hier auch in dem Gespräch angeklungen, das heisst das Gegenteil, eine Belegschaftsgruppe, die den Geist hat von Entrepre-

neurs. Das heisst, das ICH steht immer an zweiter Stelle, an erster Stelle steht die Firma. Und dafür, dass ist das von dem ich berichten kann, was bei Texas Instruments von Pat Haggerty, dem Urvater unserer Firma dem ersten unter Texas Instruments, der diese Ideen eingeführt hat und die leben bis heute. Und ein klassisches Beispiel dafür, dass so etwas zum Erfolg führt, sehen Sie an dem, was Texas Instruments heute macht. Gehen Sie draußen an den Stand, dort sehen Sie Abbildungen von der DSP-Technologie von vorne bis hinten. Diese Technologie wurde neunzehnhundertachtzig - in den achtziger Jahren angefangen und ins Leben gerufen. Texas Instruments hat damals den ersten DSP gebaut. Wir waren damals führend und wir sind es heute. Für diejenigen, die vielleicht nicht wissen was im Grunde genommen dahinter steckt. Bei der Microminiaturisierung steht im Grunde immer dahinter die vertikale Integration in des Endequipment. Mit Microprozessoren und Memories auf der Hardware-Seite mit einem DSP auf der Software-Seite. Heut werden eine Milliarde DSP pro Jahr verkauft. Ein riesiger Markt. Zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre lang Investitionen, Durchhalten und Können, das lohnt sich.

 

(HGS) Herzlichen Dank und dem Senior der Runde geben wir das letzte Wort.

(Dr. Hofmeister)

Will noch eine Erfolgsstory anschliessen zu Herrn Schütze, eine ganz beschei-

dene, aber sehr entscheidende, das fiel mir ein, als Herr Rebstock zuvor über

unsere Kontakte mit Grundig sprach, nämlich die Abstimm-Diode, die bei uns

entwickelt wurde, dass Sie in Ihrem Fernseher und Radio nicht mehr einen

Drehko haben wie früher, sondern nur eine kleine Diode, die mit der Spann-

ung Ihren Sender einstellt. Das war auch eine Erfolgsstory von Siemens und

ich hoffe, dass es immer noch produziert wird.

 

(HGS) Herzlich Dank! Damit glaube ich haben wir auch den Bogen geschafft von der Historie in die Heute-Zeit und zwar die Electronica 2006 steht unter dem Thema „ Automotive“. Wir haben zwischendurch immer mal erwähnt, diese Industrien insgesamt wären heute undenkbar wirtschaftliche Faktoren, wenn sie nicht Halbleiter verarbeiten würden. Und Dank der Herren auf diesem Podium und vieler Anderer in dieser Welt, gibt es heute eine Industrie, die ein neues Zeit-

alter in den vierziger Jahren eingeleitet hat und wir können alle nur dafür dankbar

sein. Und zusätzlich möchte ich mich herzlich bedanken bei der Messegesell-

schaft, die diese Aktivitäten der Aufarbeitung der Historie unterstützt und ich

darf Sie alle einladen und auch die Herren des Panels . Gleich hier gegen-

über ist ein Büfett eröffnet und Sie können sich erfrischen, nachdem Sie so

lange bei uns zugehört haben und ausgehalten haben. Herzlichen Dank !!

 

-Ende-