SILICON GENESIS EUROPE
Prof. Dr. Hans Weinerth
November 27, 2007
By Horst G. Sandfort (HGS)
(HGS):
Herr Professor Weinerth, wir freuen uns, dass wir heute am 27.11.2007 bei Ihnen zu Hause zu Gast sein dürfen, um Revue passieren zu lassen, was in der Halbleiterindustrie in Europa in den Anfängen passiert ist und nochmal Rückblick zu nehmen auf die Zeit, in der Sie sich mit der Halbleiterhistorie auseinander gesetzt haben.
Sie sind 1935 in Aussig an der Elbe im Sudetenland geboren und sind 1946 nach Hessen
gekommen und haben die Jahre des Wiederaufbaus dort erlebt und 1955 Ihr Abitur
gemacht. Sie begannen mit dem Physikstudium in Marburg an der Lahn und schlossen
1960 ab.
Was hat Sie bewegt, sich mit der Halbleiterindustrie auseinander zu setzen?
(Prof. W.) : Ja, ich habe in Marburg zwar meine Diplomarbeit auf dem Gebiet des Fern-
sehens gemacht, hatte einen weiteren Schwerpunkt aber durchaus bei der theoretischen
Physik, die durch Flügge und der Experimentalteil Walcher, die beide aus der Göttinger
Schule kamen, sehr gut vertreten waren. Äh, Gegen Ende des Studiums ähm, tauchte in
Marburg ein Otto Madelung auf, der Vorlesungen hielt über Festkörperphysik, die Beziehung zur theoretischen Physik war da. Na, und die Begeisterung, die Madelung durch seinen hohen Einsatz vorlebte, seine lieben Kollegen hatten ihm nur ein Zeitfenster am Samstagmorgen um 08.00 Uhr für seine Vorlesungen zugestanden, und er musste immer fünfhundert Kilometer gefahren kommen, um sie zu halten. In einer solchen Samstagvorlesung waren wir dann fünf Leute am Anfang des Semesters und drei am Ende, was einen sehr intensiven Kontakt ergab. So bin ich zur Festkörperphysik gekommen, die mich dann mein Leben lang, mein Berufsleben lang begleitet hat.
(HGS): Ja, der Professor Madelung war also ein Mann, der schon begeistert gewesen
sein muß, wenn er für drei Leute am Ende am Wochenende fünfhundert Kilometer reiste,
um dann sie zur Promotion zu schicken.(Prof.W.): nein. (HGS) oder ins Berufsleben. (Prof. W.): Ja, Zunächst mal ins Berufsleben, äh die Promotion kam erst später. EM, ja, Madelung eh, lebte einfach vor, wie engagiert man sich für ein Gebiet einsetzen konnte. Aus heutiger Sicht vielleicht kaum glaubhaft, dass das also theoretisch war. Auch
seine Vorlesung war praktisch theoretische Physik. Ehm, aber das hielt ein Leben lang an
und nach meinen jetzigen Erfahrungen kann ich abschätzen, was für eine Tortur dieser
Anfang in den akademischen Laufbahnen für einen gestandenen Industriemann wie
Otto Madelung zu der Zeit gewesen ist. Ja, das führte dann dazu, dass ich nach dem
Diplom dann in die Industrie ging und unter vielen Möglichkeiten, die es damals gab,
eh eine kleine mir vollkommen unbekannte Firma auf dem Halbleitersektor wählte,
nämlich Intermetall in Freiburg. Eh, Was ich also keine Minute bereuen musste, denn
es war ein Klima in dieser Firma von Aufbruchstimmung eh, die ich in einem Gross-
konzern wahrscheinlich nicht gefunden hätte, und die für diese Altersstufe für mich
also ganz wesentlich war. Ehm, ich habe dann da von der theoretischen Physik nochmal
kommend eh, habe ich einen Vertrag geschlossen in der Entwicklung für die Entwick-
lungsabteilung, als ich dann tatsächlich aber in Freiburg ankam, wurde ich zur Seite
genommen und gefragt, ob ich nicht auch bereit wäre in die Produktion zu gehen, weil
da im Moment der höchste Bedarf war. Das war also ein ziemlicher Sprung eh, von Schroeniger-Gleichungen zu den banalsten Dingen, die eine Ausbeute auf nahe Null
drücken konnte. Da kam, war doch sehr viel Fingerspitzengefühl nötig, um die Runden
zu kommen, wenn man auch den theoretischen Hintergrund nicht vernachlässigen
durfte dabei. Eh, Ich hatte ursprünglich vor, in Marburg zu promovieren auf theore-
tische Physik, hab dies aber dann nicht getan, weil ich direkt nach dem Diplom ge-
heiratet habe und als sich ein Kind ankündigte, war mir die akademische Laufbahn
etwas zu, finanziell zu wackelig, um darauf zu bauen und so ging ich in die Industrie.
Nach einigen Jahren, als ich da gesettelt war, wurmte mich dies aber und ich suchte
nach Möglichkeiten um vielleicht als Externer doch noch die Promotion nachzu-
holen, eh, was dann schließlich gelang, wenn auch nicht auf Physik, so auf Elektro-
technik, die ich dann noch dranhängen musste und auf die Weise hab ich bei Walter
Engl in Aachen, bei der TH Aachen dann schließlich 1966 promoviert, auf einem
Gebiet, das zusammenhing mit meiner Tätigkeit bei Intermetall, nämlich auf dem
Gebiet der Avalanche-Dioden und Zener Dioden. Dies hat mir sehr viel Freude gebracht und ehm der Intermetall einige sehr gute Bauelemente.
(HGS): Das ist ein sehr interessanter Abschnitt in Ihrem Leben gewesen, der aber
einher ging auch mit einigen Dingen, die hier in den USA und auch in Europa nicht
so bekannt sind, denn irgendwo im Hintergrund hat bei all dem, was Sie persönlich
betraf, auch ein gewisser Herr Shockley eine Rolle gespielt. Gibt es da einen Bezugs-
punkt?
(Prof.W.): Ja, das ist richtig, ehm, Shockley, der zu Mitte der sechziger Jahre eigent-
lich seinen Schwerpunkt auf Vierschicht-Dioden hatte, kam ursprünglich von äh,
also nach seiner Transistorzeit, nach seinem Nobelpreis äh, hatte er sich jahrelang
mit Avalanche-Effekt befasst, ein Gebiet was für Intermetallers Dioden wesentlicher
Dioden-Fabrikant, eh, wichtig war. Intermetall war ein paar Jahre vorher von ITT
eh übernommen worden und ebenfalls die Shockley Labs in Palo Alto. Shockley
mit seinem Labor war damals also für uns die zuständige Forschungsabteilung und
auf die Weise gab es sehr enge Kontakte. Dies traf zufällig zusammen mit der Zeit,
in der Shockley seine wesentliche Mannschaft austauschte und durch deutsche Nach-
wuchsphysiker ersetzte äh, von denen er erwartete, dass sie also sich besser an seinen
Methoden des Denkens und Handelns äh anpassen würden. Ehm aus eh oder in dieser
Zeit habe ich sehr viele eh eh von Kontakten mit den Shokley Labs an Stimulanz
gehabt für meine Arbeit. Zum Schluß durch Shockley selbst. Kontakte mit Shockley
ehm, dem ich also die…den Inhalt meiner Doktorarbeit vortragen durfte und ehm mit
dem es also sehr anregende Diskussionen gab.
(HGS): Die Zeit, die wir kennen und die immer wieder auch durch die dramatischen
Entwicklungen, die sich in den USA gezeigt haben, nämlich den Abtrünnigen, die
dann Fairchild Semiconductor gründeten, die sind geschichtlich sehr intensiv und
auch von den dort Beteiligten sehr intensiv beleuchtet und diskutiert worden. Aber
Sie sagten gerade, es gab dann eine Nachfolge von einer Menge deutscher Kandidaten
von denen Shockley hoffte, dass die treuer sind, als seine Abtrünnigen. Gibt es da Erinne-
rungen an Leute, die auch wesentliche Dinge beigetragen haben zur eigentlichen Ent-
wicklung der Halbleiterindustrie in Europa?
(Prof. W.): Ja, neben Einigen, die in Amerika geblieben sind, bis zu ihrer Pensionierung,
da wäre wohl Roland Haitz zu nennen bei Hewlett Packard und Wolly Schroen bei Texas Instruments eh, gab es aber auch eine Reihe, die unmittelbar oder auf Umwegen nach Deutschland zurückkam. Dazu gehörte in erster Linie Goetzberger, der nach seiner Zeit von den Shockley-Labs zu Bell ging und von Bell aus dann zur Frauenhofer Gesellschaft nach Freiburg, wo er auf dem Solargebiet ganz wesentliche Impulse ehm geliefert hat. Dann wäre weiterhin Queisser zu erwähnen, der ebenfalls über die Bell zunächst nach Hessen äh äh kam und dann zur Max Planck-Gesellschaft nach Stuttgart, eh beide jeweils paralell mit Lehrstühlen an den eh, an den zugehörigen Hochschulen, eh, dazu gehören aber auch Leute, wie Strack eheh, der dann später mit Umweg über Telefunken in Darmstadt landete, oder Wagner, der ebenfalls bei der Frauenhofer von Telefunken her bei der Frauenhofer Gesellschaft landete. Es war also schon ein Nukleus, der sich da auf der akademischen Seite bildete, und sehr stark befruchtend wirkte, auch auf die Industrie.
(HGS): Während Ihrer Zeit bei Intermetall öh, gab es dann ja auch Leute, die bei Inter-
metall mit Ihnen zusammen gearbeitet haben. Wenn ich mich richtig erinnere gibt es
dort den Herrn Lorenz und dann gab es auch Leute, die in anderen Bereichen gearbeitet
haben, die auch Wesentliches geleistet haben zum Beispiel Herr Dahlberg. Gibt es aus
Ihrer Sicht zu diesen beiden Herren kurze Kommentare zu geben?
(Prof.W.): Ja, ich möchte mit Seiler beginnen, weil er der Ursprung dieser Keimzelle war,
äh und aus Stuttgart von der Hochschule kommend dann ehm Chef von Intermetall wurde
und da ganz wesentlich die Strukturen geprägt hat. eh, Ja von den Namen die Sie nannten, eh eh, Lorenz, wird uns denk ich beim weiteren beruflichen Gang noch einige Male begegnen eh, er war zum Schluss Entwicklungsleiter von Intermetall und mein Chef dort. Eh, dazu gehört aber auch und hat ganz wesentlich die Entwicklung der eh eh Varicap-Diode eh eh zusammen mit Grundig forciert eh und überhaupt erst möglich gemacht. Und Dahlberg, der Intermetall eh eh früher als Lorenz verließ, und bei Telefunken hmmm Chef von Telefunken-Halbleiterei geworden ist, heute zwar wesentlich nur noch bekannt ist durch seine Ideen über die Solarstromnutzung in der Sahara, die immer wieder zitiert wird, aber ganz Wesentliches vor allem auf dem Gebiet der Militärelektronik bei Telefunken eh geleistet hat und die damalige Periode bei Telefunken also ganz wesentlich beeinflusst hat.
Es gab aber noch eine Reihe von anderen herausragenden Persönlichkeiten, dazu gehört
der spätere langjährige Chef von Intermetall eh Micic, eh der ein unheimliches Gespür hatte eh für eh zukünftige Anwendungen von Bauelementen, die es manchmal noch gar
nicht gab Eh und ein Mann wie Knau, auch einige Jahre mein Chef bei Intermetall, eh
der eine einmalige Gabe hatte, junge Leute an dieses Gebiet heranzuführen durch seinen
Pragmatismus, durch seine unheimlichen Kenntnisse in ganz praktischen Dingen in der
Halbleiter-Technik. Ehm, es war schon Intermetall in der Zeit eine gewisse Kader-
schmiede gewesen in der Halbleiterei.
(HGS): Und es ist in dieser Kaderschmiede auch einiges entstanden, was Neuland äh äh
anging und äh auf einem dieser Sektoren „Neuland“ haben Sie sich selbst ja auch gewal-
tig profilieren können. Können Sie dazu was sagen?
(Prof.W): Ehm, ja, so neben eh neben der Varicap-Entwicklung, die ich selbst nur am Rande mitgetragen habe, eh waren vor allen die Einführung der Planartechnik für
Deutschland eh, ich glaube damals an erster Stelle. Zeitlich, das Wesentliche für eine
so relativ kleine Firma wie Intermetall, schon ein Kraftakt. Der wurde etwas unterstützt
dadurch, dass wir ein sehr gutes Abkommen mit der Fairchild hatten eh, um jeweils an
die neuesten Technologien heranzukommen, aber das waren natürlich damals auch keine
Selbstgänger. Man bekam ein Stapel von Papier und durfte das einmal besichtigen eh,
aber das man da auf reine Luft und besondere Chemikalien achten musste, das musste man selbst herausfinden. Das waren also lange Wege. Eh, auf dem Gebiet der Zener Dioden, vielleicht für heutige Verhältnisse, wo dreissig Zentimeter Silicium-Scheiben ein
Standard sind, kaum noch glaubhaft eh. Als ich bei Intermetall begann war die Standard-
Scheibe einen Zoll dick und wurde von Intermetall damals noch selbst gezogen.
(HGS): Also selbst das Rohmaterial wurde bei Intermetall gezogen, (Prof.W) ja, nicht sehr lange, dann wurde das bei Wacker viel günstiger als Zulieferant, aber eh eh im Beginn, Siemens zog ja auch zunächst mal sein Silicium selbst und Intermetall konnte schlecht von Siemens beziehen, also musste es auch selbst machen. (HGS): Und erst als sich dann nachher ein Drittlieferant spazialisiert hatte, wenn man das mal so formulieren kann, äh Wacker-Chemie in Burghausen, (Prof.W) ja, (HGS): ehm, gab es dann diesen Zwang der Problematik beim Wettbewerber zu kaufen dann eigentlich nicht, weil Wacker hat ja selbst keine Halbleiter hergestellt (Prof.W): ja, (HGS): aber nur das Rohmaterial. (Pro.W.) Was sicherlich eine geschickte Firmenpolicy war, ähh, nicht sich selbst oder seinen Kunden Konkurrenz zu machen, hat Wacker ja dann auch durchgehalten die ganze Zeit. (HGS): Ich sehe darin eine eine hoch interessante eh eh Entwicklung eigentlich, weil, was Sie gerade ansprachen, ursprünglich hat ja fast jeder der sich mit Halbleiterei befasst hat versucht, auch das Rohmaterial zu bearbeiten. Ob das Texas Instruments war, ob das Siemens war, Intermetall, der Reihe nach und dann gab es plötzlich diese Firma völlig aussen vor: Wacker, die wohl mutig war und hat gesagt, das nehmen wir Euch ab, das können wir besser.
(Prof.W): Ja, sie haben ja auch bewiesen, dass sie es besser können, deshalb ja auch der
hohe, auch heute noch extrem hohe Weltmarktanteil. Ehm, ja das das alle das selbst machten
war natürlich kein Zufall, weil ein Großteil der Problematik, die bei der Herstellung der Bauele-
mente auftraten, waren bedingt durch das Ausgangsmaterial. Eh, heute ja, redet kaum einer
über die Möglichkeiten, Fehlermöglichkeiten einer solchen Siliciumscheibe, weil es eben schon
bei der Herstellung behoben wird. Eh, damals rätselte man aber, warum also plötzlich irgendein
Transistor nicht mehr funktionierte eh eh, weil er nicht reproduziert, legiert damals noch, eh eh
werden konnte, durch Versetzungen und was immer an Materialfehlern auftrat. Das waren also
schon eh eh Zeiten wo wo es sehr lebendig zu ging. (HGS): Und wesentliche Weichenstel-
lungen eh eh für die Zukunft gestellt wurden, weil man ja sich nicht mehr auf, so stark auf das
Rohmaterial konzentrieren musste. Diese Aufgaben hat man geteilt an Wacker übertragen und
konnte sich tatsächlich auf die Integration und auf diese Dinge Entwicklung auf der Chip-Ebene
weiter zu entwickeln. (Prof.W.) Ja, es gab genügend Probleme zu lösen, nicht zuletzt auf dem
Sektor der der Chemikalien wo die die damaligen eh Testmethoden Analysenmethoden vorne
und hinten nicht ausreichten, um die Produzierbarkeit der Halbleiter zu gewährleisten. Das hat
lange Jahre gedauert bis auch dies der Halbleiterindustrie weitgehend abgenommen wurde,
durch die Zulieferindustrie.
(HGS): Nun, wir hatten vorhin schon mal kurz darüber gesprochen, sechsundsechzig Promotion
in Elektrotechnik an der RWTH-Aachen bei Engl. (Prof.W.): Ja, (HGS) So gibt's zu dieser Phase noch irgendwelche kurzen Bemerkungen, denn wenn wir mal über Urgesteine der Halbleiterindustrie sprechen, dann ist Engl ja sicherlich auch ein ganz wesentliches Urgestein in diesem ganzen Gebilde.
(Prof.W.) Ja, eh, Engl kam ursprünglich eh von von Siemens, aber ehm nicht aus der Halbleiterei,
eh, widmete sich dann als er den Lehrstuhl in sehr jungen Jahren, Engl ist so grade eben mal fünf
oder sechs Jahre älter als ich, eh und ich war übrigens sein erster Doktorant gewesen, von Heer-
scharen, die er ausgebildet hatte. Allein schon Heerscharen an an Lehrstuhlinhabern, die bei
ihm „entstanden sind“. Ehm, ja, Engl gehört mit zu den Leuten, die also begeistern konnten und
auch heute noch können und ehm, er war knallhart auf Seriosität bedacht, war, in der Durchfüh-
rung eh eh der Dinge, nichts durchgehen liess, was nur so eben mal gehuschelt war. Ehm, es war
nicht so ganz einfach, eh eh von einer amerikanischen Firma aus als Externer irgendwo zu pro-
movieren. Ich habe damals, als ich damit begann brav meinen Chef gefragt, ob die Firma Inter-
metall einverstanden ist damit. Er hat mich angelacht und hat gesagt: na ja, wir brauchen Sie
vielleicht zwölf Stunden am Tag und das damals noch sechs Tage in der Woche. Wenn Sie
meinen, darüberhinaus noch Langeweile zu haben, dann machen Sie das mal. Und so lief das
dann eh dann auch und war, wenn ich an mein Rigorosum denke, manchmal schon auch ein
Spießruten-Laufen, wenn man als Industrie-Physiker dann in die akademische Welt zurück-
schlüpft, eh und da konfrontiert wird mit mit Dingen, es gibt ja sehr viel Überschneidungen
zwischen der Physik und großen Teilen der Elektrotechnik, aber davon sich auf diesem Gebiet
auszutoben, hielt beim Rigorosum damals niemand etwas. Ich musste also fragen über Dimen-
sionierung von Hochspannungsleitungen und den russischen Weg von Generatoren, die die
Russen eingeschlagen hatten, beantworten, was mir schwer fiel. (HGS): Ja, sechsundsechzig
war es dann so weit, Sie hatten Ihren Doktor und gingen dann weiter, noch zwei Jahre, in die
Dienste bei Intermetall. Und dann gab es einen Wechsel. (Prof.W.): Ja, der Wechsel war etwas
vorbereitet durch die Tatsache, dass IT und T der Intermetall doch sehr viel ihrer Bewegungs-
freiheit beschnitten hat, so dass also praktisch das ganze Top-Management von Intermetall
nicht unwesentlich bei Philips landete eh und ich hab das dann also noch ein bis zwei Jahre eh
länger ausgehalten ehm, nachdem also Leute wie Lorenz und Sautter bei bei irgendwann
nochmal bei Philips landeten ehm, dann auch eh bin ich auch zu Philips gegangen, ursprüng-
lich war geplant nach Hamburg, was sich dann aber ganz kurzfristig veränderte eh, ich einen
Anruf bekam, ob ich was dagegen hätte, statt in Hamburg ein Jahr in Holland in der Forschung
zu beginnen und erst mal so richtig Konzerngeruch anzunehmen. Da kann man schwierig nur
nein sagen, zumal das auf der anderen Seite natürlich auch eine Ehre war, als Ausländer in das Nat.Lab. gelassen zu werden in Eindhoven. Hatte aber durchaus so seine Probleme. Unsere Tochter war in der ersten Schulklasse, wir beide, meine Frau und ich, waren noch nie in Holland gewesen, wir haben also dann das nächste Wochenende darauffolgende Woche dazu verwendet, sind wir mal schnell mit dem Auto nach Holland, um wenigstens einen rohen Überblick zu haben und ja, zwei Monate später waren wir dann in Holland. Und aber dies wurden also statt einem Jahr wurden das dann acht Jahre eh, die ich aber auch nicht missen möchte, dass eh, ich denke, dass das Philips-Forschungslabor damals in der Welt das zweitgrößte naturwissenschaftliche Forschungslabor nach Bell war. Die Kontakte zu Bell waren sehr intensiv und eh, dass darf natürlich also sehr für Stimulanz sorgen. Man war schon aufgeheizt wenn man so eine Woche in
Bell zubringen konnte oder in den anderen Teilen eh des eh anderen Teilen des Forschungslabors.
(HGS): Philips war ja eigentlich, Philips war ja eigentlich zu der Zeit, wenn man so will, Sie hatten es fast angesporchen schon, neben Bell `ne erste Adresse in Europa. (Prof.W.) Ja, eh PR-
mäßig Deutschland war immer die Schwierigkeit, Philips war zwar sehr in Europa sehr viel
größer also wer auch immer an Halbleiterhestellern, aber in Deutschland war die Philips-Tochter
Valvo, die im Bauelemente Geschäfte machte, mit ihrem Halbleiterteil kleiner als eh eh Siemens
und je nachdem, worauf grade der Schwerpunkt gelegt wurde eh, gab es da Interpretationspro-
bleme. (HGS): Während Ihrer Zeit bei Philips im Forschungslabor in Eindhoven, da war ja dann
schon die richtige Umschaltung von den Transistoren eh auf integrierte Schaltkreise.
(Prof.W.): Ja. (HGS): Dann gab es da sicherlich aus der ursprünglichen Verbindung, die man
hatte, von Intermetall her und Shockley eh dann schon ein paar andere wichtige Geschichten,
die auch mit der sagen wir mal Anwendung der Halbleiterei zu tun hatten, die dann vielleicht noch stärker die Forschung beeinflussten, als sagen wir mal die reine akademische Seite.(Prof.W.): Ich traf eh eh in Eindhoven natürlich auf eine IC-Kultur eh eh Entwicklungs- und Forschungskultur eh eh eh, von der Intermetall nur träumen konnte, das war also ein ein ein Quantensprung und eh, ich bekam also innerhalb von kürzester Zeit Gelegenheit da eh eh auf dem Hochfrequenzsektor die damals schnellsten IC's mit zu entwickeln eh eh die es zumindest in Europa gab. Ich glaub vielleicht aber auch in einem größeren Gebiet. Wir versuchten also damals, dass das VHF UHF Gebiet abzudecken eh und was auch im Prinzip bis zur Bemusterung gelungen ist.
(HGS): Kooperationen waren eigentlich in der Halbleiterei während der ganzen Entwicklung
wegen der unterschiedlichen Ausrichtungen immer wieder gegeben. Sie sprachen gerade an,
BELL-Labs tauchen immer wieder auf und interessanterweise taucht auch in Europa immer
wieder, aus dem Bereich der Abtrünningen, der Begriff „Fairchild Semiconductor“ auf.
(Prof.W.): Ja, also in den damaligen Jahren war Fairchild, na ja hatte Fairchild vielleicht
noch sogar eine herausragendere Rolle als Intel heute. Schon mal dadurch eh eh, dass Japan
noch keineRolle spielte oder Asien sagen wir mal vorsichtshalber. Und Fairchild war auch
sehr offen aufgestellt eh eh man konnte nicht gerade know-how zum Nulltarif eh bekommen,
aber man konnte es bekommen und es war natürlich also erste Sahne.
(HGS): Dann irgendwann kam die Zeit auch in Holland, wo es dann hiess: Herr Weinerth, wir
haben neue Aufgaben für Sie. (Prof.W.): Ja, was wieder ein ein gewisser Sprung war, denn
Holland und die Forschung, das war also reine Technik, der Managementteil daran war, hielt
sich in Grenzen. Ich habe da eine Forschungsabteilung geleitet, aber alle Beteiligten waren ge-
wöhnt, sehr selbständig zu arbeiten. Ehm, das Angebot was ich dann 1975 bekam, nach Hamburg
zur Philips-Tochter VALVO zu gehen, um dort den Hauptbereich Technik zu übernehmen, eh
das war also schon ein eine starke Veränderung der täglichen Aufgaben. Ich hatte von einem Tag
auf den anderen mehr als zweihundert Mitarbeiter und dazu gehörte ein Applikationslabor, was zur damaligen Zeit zumindest in der Entertainment-Industrie und in Deutschland das Zentrum
schlechthin war für neue Entwicklungen von Schaltungen und ich denke es konnte sich keine
Fernseh- oder Rundfunkfirma leisten, nicht Kontakt zu haben zu dieser Einrichtung. Und bekam
eine Aufgabe, mit der ich vorher wirklich nie was zu tun hatte, unter anderem nämlich, mich darum zu kümmern, dass ausserhalb der üblichen Sales- und Marketingpfade, die Anwendung von Microelectronik-Schaltungen stimuliert wird. So, dies traf auf eine Landschaft, die vielleicht
typisch für Deutschland war, eine Elektroindustrie, die im wesentlichen Großindustrie war, zum
Teil aber auch in Konkurrenz von Philips eh und eh auf dem Maschinenbausektor eine sehr
starke, sehr selbstbewusste mittelständische Industrie eh, die nun zum Großteil überhaupt nicht einsah, dass sie sich mit einem ganz neuen Gebiet, und das auch noch von der Elektrotechnik her-
kommend, befassen sollten. Da war also ein sehr grosses Beharrungsvermögen zunächst da, da
gleichzeitig versucht wurde, den Abstand zu Amerika auf dem Halbleiter-Sektor zu verringern,
ehm, war das also zum Schluss dann ein eine gemeinsame Anstrengung von Industrie, der ein-
schlägigen Industrie, im wesentlichen Siemens, Philips und Telefunken ehm mit den eh mit dem
BMFT, dem damaligen Technologie-Ministerium, eh, wo immer es ging eh, diesen Markt zu
stimulieren und eh, das hat über zehn Jahre lang dann dazu geführt, dass ein Netzwerk gebildet
wurde, zwischen der Industrie, zwischen Max-Planck-Gesellschaft und Frauenhofer-Gesellschaft
was denk ich beides grosse Gründe waren, die Deutschland hatte in dem Forschungsgebiet eh und
dem Ministerium und dies schlug sich also nieder in einer Serie von Koordinierungsgremien eh
und eh für mich eh in der Aufgabe, also mich mit all den Teilen zu befassen, ob das jetzt nur
ein Kuratorium der Frauenhofer-Gesellschaft waren, ob das Abkömmlinge der Max-Planck-
Gesellschaft waren, wie BESSY in Berlin oder eben Dinge, die vom BMFT ausgelöst wurden.
So, und da kam dann noch mit hinein, dass eh ein Verdienst vom BMFT, von Anfang an die
akademische Szene sehr stark eingebunden wurde, also alle, die bereits erwähnten Shockley-
Rückkehrer eh als auch Leute wie Engl, Beneking, die nicht aus der Shockley-Crew kamen, eh
da eingebunden wurden und dies waren sehr fruchtbare Jahre gewesen.
(HGS): Sie sprachen gerade bereits an, die Entwicklungen wurden jetzt koordinierter durchge-
führt um, ja und jetzt behaupten die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt eigentlich mit Hilfe der
Regierungen die Märkte abzuschotten, um Entwicklungen durchzuführen, die „die Amerikaner“
draussen liessen, denn die Amerikaner hatten keine Finanzstrukturen aufgebaut, mit denen sie
mit Regierungsunterstützung Programme bauen konnten. (Prof.W.): Na ja, da kann man natürlich
sehr geteilter Meinung sein. Eh, erstens mal ist in meiner Erinnerung eh eh, keine Facette da, die
eine Marktabschottung eh auch nur im Gedankenansatz eh eh gebracht hätte. Es gab viele Diskus-
sionen, warum der relativ grosse deutsche Anwendermarkt, in den späteren Jahren, warum der
also im wesentlichen durch Amerika und Japan bedient wurde. Das heisst, die eh eh die Stellung
da der europäischen Halbleiterindustrie, sagen wir mal auszubalancieren, war natürlich eines der
Ziele von eh eh von dem eh BMFT, aber nicht zu vergleichen mit den Aktivitäten die ein Miti
zum Beispiel entwickelte. So und was die sonstige Vergleichbarkeit mit Amerika anbelangt, wir
hätten uns in der deutschen Halbleiter-Industrie wir hätten uns glücklich geschätzt, wenn wir
auch nur einen Krümel von den eh Militäraufträgen, eh eh, die Amerika an seine nicht nur
Halbleiter-Industrie, sondern auch zum Beispiel Luftfahrt-Industrie gegeben hat, wenn wir die
als Anschubfinanzierung gehabt hätten. Eh, wir waren nicht lüstern auf eh eh eh Gelder von der
öffentlichen Hand, das widerspricht jedem, der mit vollem Herzen in der Industrie ist, aber es war
die einzige Möglichkeit, um eh Pari zu bieten zu dem amerikanischen Mechanismus, als es eben
ganz anders zu tun. (HGS): Es gibt ja noch ein anderes Vehikel, das in Europa überhaupt nicht gegriffen hat und dies berühmte Vehikel des Venture Capitals. (Prof.W.): Ja, ehm was immer
auch der Grund des, das war nicht nur damals eh eh ein Gefälle eh, sondern ist es heute nach wie
vor, mit leichten Wellenbewegungen, mal zwischendurch ein bisschen besser. Eh, es muss wohl
an der ganzen Struktur, die wie es mag streckenweise an Steuergesetzgebungen eh gelegen
haben, aber ehm es gibt, denke ich, in Deutschland nicht so fürchterlich viele eh Leute, die über
ein grosses Einkommen verfügen, das nicht bereits gebunden ist an irgendeine Industrie und eh
Leute wie Quandt oder Flick oder wer immer, werden sicherlich nicht also als höchste Priorität
Beteiligungen am Venture-Capital haben. Und da ist die amerikanische Struktur wahrschein-
lich also signifikant anders. (HGS): Um nochmals zurückzukommen, es sieht so aus, als wenn die Amerikaner im Prinzip mehr Geld zur Verfügung bekommen haben aus den Militärprogram-
men, Luftfahrtprogrammen und einem riesigen Fundus an Ventrue-Capital, dem die Europäer
eigentlich nur ne Struktur entgegen zu halten haben, die sagen wir mal an die Töpfe der grossen
Unternehmen, zu denen sie gehört haben, Philips, Siemens und SGS. All die anderen Unterneh-
men, die noch da waren, hatten irgendwo Thompson in Frankreich, das waren riesengroße Unter-
nehmen, teilweise mit Staatsbeteiligung, wo die Halbleiterei eigentlich eine untergeordnete
Rolle spielte. (Prof.W.) Ja, was aber nicht nur für Deutschland gilt, sondern in gewissem Masse
für Japan zum Beispiel ja auch nicht? Auch da sind die Halbleiter ja eigentlich ein Spielball in
der Konzernpolitik und nicht ein Zentrum der jeweiligen Firmen. Ehm, ein bisschen taucht es am
Rande auch denke ich in Amerika auf, wenn man also vergleicht die sehr populären Aktivitäten
bei Intel, mit den Halbleiterbereichen bei Motorola, selbst bei Texas und all die, die zwischen-
durch verschwunden sind. E, eh, Fairchild ist ja nicht nur aufgegangen in Intel und von Westing-
house redet keiner mehr und das denke ich, ist nur überstrahlt durch den grossen Erfolg von
Intel. (HGS): Ja, und viele andere Unternehmen, die mit Hilfe von Venture-Capital
(Prof.W.): Ja wirklich (HGS): gegründet wurden, gross geworden sind und heute, was auch noch
funktioniert, in dem Zusammenspiel all dieser Kräfte. Für mich ist immer faszinierend, eh, wenn
ich mit Leuten wie Ihnen rede, dass wir hier in Europa Strukturen haben, wo eigentlich innerhalb
der grossen Unternehmen obwohl dieser gigantischen Leistungen, der Antrieb Dinge die die Halbleiterei in diesen Unternehmen freigesetzt hat, dass dort immer noch, dass immer noch ein Rad an der Seite des Wagens war. Das Geld wurde woanders verdient. (Prof.W.) Ja. Ja. Äh
(HGS): War das ein Handicap? War das ein Handicap äh für die europäische Industrie, oder sehen Sie das anders, dass wir einfach in Europa auch gerade aufgrund dieser faszinierenden Ent-
wicklungen, die hier stattgefunden haben, für die Anwendung sprich: Television äh, Fernsehin-
dustrie, äh Radioindustrie, Kommunikationsindustrie? Wenn wir die Computerindustrie mal
nach Amerika verschieben können im Moment, die restlichen Industrien nach Europa holen,
Automobilindustrie, die ganzen elektronischen Anwendungen, die wir heute sehen ehm, war's
ein Nachteil, war's kein Nachteil, wie sehen Sie das heute? (Prof. W.): Na ja, es war sicherlich
manches auch noch durch die Kriegsnachwehen äh, die nicht gerade dazu führten Strukturen,
also sehr schnell aufzubrechen ehm, war das ein Zeithemmnis? Eh, ich denke das wir nie eigent-
lich ein prinzipielles Know-how-Hemmnis hatten, aber der Zeitversatz war in einer so schnell-
lebigen Branche natürlich - beinah tödlich. (Prof.W.) Äh, ja, um nur mal Beispiel von
Philips zu nehmen. Herr Lorenz, als er 1966 war das wohl, ähm zur VALVO kam, hat da ganz
wesentlich die Weiche gestellt, nicht mit allen anderen hinter TTL herzulaufen, sondern zu einem
Zeitpunkt, als keiner auch nur einen einen Pfifferling dafür gegeben hätte, Analogschaltungen als
höchstes Ziel zu nehmen, weil dies natürlich in der Entertainment-Branche ein wesentlicher Punkt war. Es glaubte damals aber niemand, dass man das technisch schafft. Das ist ein grosses
Verdienst zumindest für den deutschen Ast von Philips ganz wesentliche Weichen gestellt zu
haben. Ehm, ja was sonst ja AEG ist mit seiner Telefunken-Tochter eh eh irgendwo dann ver-
sickert, sage ich mal zumindest im öffentlichen Bewusstsein, eh Siemens hatte natürlich genauso
wie Philips immer den den Vorteil, dass der Eigenbedarf notfalls irgendeine Delle im Umsatz
ausgleichen konnte und für Kontinuität sorgte. SGS Thompson ist ein gutes Beispiel eh eh für
ja nochmal die Flash-Memories, etwas was fast aus dem Nichts heraus entgegen dem Trend der
ganzen Welt durchgesetzt wurde. Ist also, wenn man sich bemühen würde herauszufinden was
alles für Dinge ausserhalb von Amerika in dem Halbleiter-Sektor bewegt worden sind, da kommt
schon einiges zusammen. Es ist nicht so, dass also alles nur durch die Memories und den Micro-
prozessor bestimmt wurde.
(HGS): Heute, wenn man sich den Markt in Europe anschaut, ehm, gibt es plötzlich aus dieser
alten Struktur, die wir gerade ansprachen, eine völlig neue Entwicklung, das heisst, es sieht so
aus als würden jetzt plötzlich die großen Unternehmen alle einsichtig werden und sagen: Halb-
leiterei ist doch nicht so richtig unser Kind, wenn wir das Kind freisetzen und selbst laufen lernen
lassen, dann kann es sein, dass es doch bessere Beiträge liefert. Wie beurteilen Sie diese neue
Entwicklung aus der Historie und aus der Sicht des äh äh Führers eines Unternehmens mit vielen
anderen Gesichtspunkten, die wir nachher noch besprechen werden. Wie sehen Sie diesen Trend?
(Prof.W.):Wir haben natürlich die Paradebeispiele mit Infineon bei Siemens und mit der Auslage-
rung der Halbleiter-Aktivität eh bei Philips. Auch da würde ich mal im Moment versuchen, von
aussen herein zu gucken. Wir haben das gleiche ja bei Motorola. Eh, so nun ist Motorola vielleicht unter den amerikanischen Firmen eine der europäischsten, was ab und zu von Hewlett Packard auch gesagt wird. Ehm, vielleicht gibt's da durchaus, also parallellen. eh Die Mechanismen von Managemententscheidungen bei der, in der Halbleiterindustrie bedürfen ganz anderer Grundsätze als - ich sag mal was, die Schwerindustrie oder eh eh Generatorenbau oder Atomkraftwerkbau oder was immer von anderen Konzernen und ehm von daher ist wahrscheinlich die Ausgliederung schon ein nahe liegendes Mittel. Ehm, man kommt natürlich nicht los davon von dem großen Finanzbedarf eh, den dann eine solche freigesetzt Tochter hat, um den Schweinezyklus jedesmal durchzustehen und dann ist es wahrscheinlich eine Frage ob die Banken sich so anpassen an solche Modelle, dass die Lebensfähigkeit von diesen freigesetzten Töchtern auch auf alle Ewigkeit gegeben ist.
(HGS): Eine interessante Variante, die noch immer abzuwarten ist, wie sie sich tatsächlich durch-
setzt und was am Ende daraus wirklich wird. Im Augenblick sieht es so aus, als wenn die Unter-
nehmen ihre Freiheiten geniessen und ganz gut damit zurecht kommen. Parallel zu all diesen
Dingen, ehm wurden dann ja auch auf der Anwendungsschiene ehm, neue Felder aufgebaut, die
teilweise dazu führten, dass innerhalb der großen Konzerne nicht genügend anwendungsorien-
tierte Ingenieure zur Verfügung standen, so dass verschiedene im Zusammenhang dann wiederum
mit verschiedenen Landesentwicklungen in Deutschland Initiativen gegründet wurden, um Ent-
wicklungsingenieure mit System-know-how in Verbindung zu bringen, um die Halbleiter-
Technologie auch in den Anwendungen noch schneller nach vorne zu bringen. Das hat ja in
Ihrem Leben, glaube ich, auch eine Rolle gespielt. (Prof.W.) Das hat eine Rolle gespielt, hatte
eine gewisse Vorlaufzeit, die darin bestand, dass es sehr ernsthafte eh eh Kontakte
zwischen Philips-Halbleiterei und Siemens-Halbleiterei gab, in den Ende der achtziger Jahre, um eine gemeinsame Aktivität zu schaffen, genau auf dem Gebiet, was Sie anschneiden. Ehm, dies
führte rückblickend, würde ich sagen, leider nicht zu einem ehmmm konkret umsetzbaren ehm
Ergebnis, obwohl die Planungen also bis ins letzte Detail vorlagen. Ehm und das führte dann
dazu, eh dass eh im Jahre 1989 einige Entscheidungen auf eh Bonner Ebene fielen, nämlich diese
Stimulanz dann aufzubauen ohne unmittelbare Beteiligung der beiden großen Halbleiterkonzerne.
Es war dann, die Planung wurde übernommen von von der Vorzeit, aber es war noch vollkom-
men offen wo. Eh ein solches Zusammengehen zwischen Philips und Siemens eh Philips
Deutschand und Siemens, hätte in der Hamburger Gegend, wahrscheinlich in Schleswig-
Holstein ehh, vielleicht da wo heute das ISI – Institut der Frauenhofer-Gesellschaft steht ehm Platz finden können äh es wurde dann politisch aber ein anderer Beschluss gefasst, nämlich Nie-
dersachsen, weil Niedersachsen damals also oder weil Strukturmittel, die zum Ausgleich
zwischen den einzelnen Bundesländern verwendet wurden und im wesentlichen in Radwege
ähhh umgesetzt wurden ähhh dann direkt nach ähhh Niedersachen umgelenkt werden sollten,
um da Nachholbedarf zu decken. Es gab damals Versuche, dies äh an der Peripherie von Hamburg zu realisieren. Das war mit Niedersachsen aber nicht machbar und aus diesem Grunde wurde es Hannover, und war ein grosses Abenteuer. Ja!
(HGS): Es gab ja im Raum Hannover auch einige sagen wir Aktivitäten, die durchaus auch auf
der wissenschaftlichen Ebene in Deutschland äh Akzeptanz gefunden hatten. Nehmen wir die
Professoren Graul, Mucha und Musmann, die ja Aktivitäten hatten, äh auch Leute ausgebildet
hatten und die konnte man ja sicherlich in irgendeiner Form dieser Aktivitäten integrieren und
ich nenne jetzt mal das Stichwort: Sican ehm , Ihr Baby, wenn ich's mal so nennen darf, eh
entstand doch zu dieser Zeit ehm, beginnend mit den neunziger Jahren und war genau die
Zielrichtung, die wir dann gerade ansprachen, wie Sie gerade besprochen haben, die so nicht
realisiert werden konnte. (Prof.W.): Ja, eh, also die Aufgabenstellung für Sican war unter Nutzung der vorhanden Aktivitäten auf der Forschungsseite eh die Schnittstelle zur Industrie
nicht unwesentlich zur mittelständigen Industrie eh und die Ausbildung ehm voranzutreiben
auf, sagen wir mal, modernsten IC-Gebiet. So, es war von Anfang an klar, dass dies nicht zu
verbinden oder es war meine Strategie, da auch nicht annähernd einen Gedanken zu ver-
schwenden, das mit Technologie zu verbinden, weil dann die Mittel vorne und hinten nicht
gereicht hätten, ehm sondern eben eher einen guten Kontakt mit den Hochschulen zu nutzen,
um einen schnellen Durchlauf von geeigneten Absolventen der Naturwissenschaften natürlich
Schwerpunkt Elektrotechnik zu gewährleisten und direkt in die Industrie einzuschleusen. Das
hat dann im Laufe der Zeit zu einem Volumen in Hannover von ungefähr 170 Leuten geführt,
die zum Grossteil Akademiker waren. Ehm, das Umfeld war nicht gerade optimal in Hannover,
deshalb waren's ja auch Strukturmaßnahmen, eh ich hätte mir zum Beispiel von Anfang an sehr
gewünscht, dass die Aktivität von LSI Logic ein heftiger Begleiter von Sican gewesen wäre,
dies war nun leider nicht möglich ehm und die sonstigen Fördermassnahmen von, ausser der
Sican, von eh eh Niedersachsen, haben sich nun nicht gerade auf High Tech-Gebiet abgespielt,
so dass da also eine Querbefruchtung nicht da war. Gut, die guten Beziehungen zu den Hoch-
schulen haben aber dazugeführt, dass dies also ein eh eine Brutstätte wurde für die Heranzie-
hung von eh jungen Ingenieuren, das mittlere Alter war damals so bei dreissig Jahren gewesen
und wenn wir jetzt rückblickend sehen wo die Leute gelandet sind, eh dann eh ist das eine
schöne Liste von hohen Managementfunktionen in amerikanischen Firmen, bei Bosch und
Siemens, Philips also, das hat schon seine Wirkung gezeigt.
(HGS): So, das waren die Dinge, die die Industrie betraf, die Positionen der Unternehmen für
die Sie tätig geworden sind. Daneben hat man Ihnen eigentlich, das was Sie vorhin angespro-
chen hatten, eh Sie haben sechs Tage in der Woche zu arbeiten gehabt bei Intermetall und
zwölf bis vierzehn Stunden am Tag und wenn Sie darüberhinaus noch ein wenig Zeit hatten
ehm könnten Sie ja gerne studieren gehen und Ihren Doktor, Ihre Doktorarbeit abliefern. Ejm, mir scheint es,
dass es ein Phänomen in Ihrem Leben war, dass man immer sagt ja, der Professor Weinerth
macht da seinen guten Job, aber wir brauchen ihn auch noch an anderen Stellen, um sein
Wissen und seine Managementfähigkeiten einzusetzen. Das BMFT hat Sie glaub ich auch
in mehreren Funktionen, ich will es mal jetzt so hart sagen, „benutzt“ oder „genutzt“ und
vielleicht können Sie dazu ein bisschen was sagen.
(Prof.W.): Ja, also fangen wir mal den Willen als Detail an. Ehm es flossen ja doch in ver-
schiedenen Richtungen ganz erhebliche Gelder und sie sollten einen sichtbaren Erfolg auf dem
Halbleiter-Gebiet bringen, was dann auch geschehen ist. Ehm, so und dazu wurde wurden die
die Nuklei in den verschiedenen Bereichen wurden eh da koordinierend zusammengefasst und
den Vorsitz dieses Koordinierungs-Gremiums, es eigentlich ein Kerngremium, mit unheimlich
vielen Verästelungen, ich wiederhol nochmal, die Frauenhofer-Gesellschaft, die Max-Planck-
Gesellschaft, an die Universitäten Berlin war ein Schwerpunkt, Aachen war ein Schwerpunkt
eh München, Stuttgart waren andere Schwerpunkte. So dahin das musste alles irgendwo soweit
das bei der Autonomie all dieser Dinge möglich war, versucht werden zusammenzufassen. Ehm
das war ein ein ein sehr muntere Angelegenheit, ganz wesentlich geprägt eh ausser den Hoch-
schullehrern, die die schon genannt wurden durch Leute wie Engl und Ruge ehm ehm und dann
die nächste Generation von Hochschullehrern zu der dann zum Beispiel Heuberger aber auch
viele, viele andere wie Reichl und Goser und so weiter gehörten, ehm wurde das bestimmt, so
und was jetzt sagen wir mal die Facette von von Philips-Valvo anging, aber durchaus nicht im
Gegensatz zu den Bestrebungen des BMFT stand. Wir haben sehr früh gesagt, wenn wir nicht
in die Verbände eh gehen und versuchen zu informieren, dann haben wir da Bremsbelegungen,
die nicht zu überwinden sind. So, und das führte dann dazu also, dass ich in allen möglichen
Teilen von VDI/VDE, BDI, BDA und so weiter ZVEI vor allem eh eh landete, eigentlich immer
mit demselben Kernthema die Awareness für Microelektonik zu steigern. Das Intensivste wurde dann, auch im Zeitaufwand, der VDE eh, weil er mit seinen 140.000 Mitgliedern natürlich also eine Plattform gibt, die schon auch in den Medien Resonanz bringt und die neun Jahre im Präsidium waren auch eine sehr lehrreiche Zeit, die mich dann auch ins Präsidium des DIN gespült haben, das war also eine Querachse. Ja, das war dieser Teil. Dann zu den Nebenbeschäftigungen gehörte irgendwann, obwohl ich's bei der SICAN eingesetzt habe als Mittel, war dann natürlich die Hochschultätigkeit in Berlin. Ehm gut, die Gebiete waren überlappend, ich habe da nicht Grundlagen der Elektrotechnik vorgelesen, sondern eben wirtschaftliche Auswirkungen der Microelektronik, ehm aber der Kontakt zu zu dem Nachwuchs da, hat doch sehr geschärft, meine Kenntnis von den Möglichkeiten, wie kann man das noch beschleunigen. Es war organisatorische manchmal schon ein bisschen ein Kraftakt, wenn ich von meiner Wohnung in bei Hamburg eh zunächst mal in mein Büro nach Hannover startete, dann von Hannover um die Mittagszeit nach Berlin fuhr, Nachmittag Vorlesung hielt und am Abend dann mit meinem Berliner Kollegen das das Ganze nochmal durchhächelte und dann so nachts um zwei Uhr wieder in der Nähe von Hamburg landete. (HGS): Ja das war ehm, (Prof.W.): Da konnte ich dann damals nachfühlen, was Madelung erlebt hat, am Anfang meiner ganzen Ausbildung.
(HGS): Das war, das war jetzt sehr nett. Ich wollte gerade sagen Ihre Meilen, die Sie da zurückgelegt haben mit der Leistung waren sicherlich ähnlich, aber man hatte Ihnen sicherlich nicht zugetraut und zugemutet für drei Zuhöhrer zu fahren. (Prof.W.): Nein, eh das nicht, wir sind also dank der Unterstützung von Mang in Berlin einen ganzen Schritt weitergekommen
eh in in den späteren Jahren war das dann praktisch eine post regret Veranstaltung eh eh
so dass also auch die Rückkoppelung von den Studenten an die Lehrenden, an die Vortragenden
eh, ja sehr viel intensiver war, als in ihren frühen Anfangssemestern. Viele von diesen Leuten
sind auch bei Sican gelandet. Eh, es war ein angenehmer Nebeneffekt eehh für die Sican.
(HGS): Sie hatten es vorhin sehr schön gesagt: all die Leute, die Sie am Anfang Ihres Berufs-
lebens getroffen hatten, waren begeisterungsfähige Menschen, die ihre Thematik so vermitteln
konnten, dass auch Sie begeistert wurden und offensichtlich hat sich das in Ihrem Leben auch
fortgesetzt, denn Sie bestätigen es gerade und sagen: ich habe die Lehrtätigkeit in Berlin über-
nommen und habe andere Aufgaben wahrgenommen und das hat letztlich dazu geführt, dass die
Leute zu Sican gekommen sind, um dort ihre Ausbildung weiterzubringen. Das macht man aller-
dings nur, wenn man weiss, da ist jemand der schafft die Lust dazu. Und die Lust zu arbeiten hat
Sie auch eigentlich nie verlassen, denn es gab ja ein weiteres Ereignis in den neun ja Anfang der
neunziger Jahre, nämlich der plötzliche Aufbruch der Grenzen gen Osten. (Prof.W.): ja, das war
also ein unvorhergesehener ehm Nebenjob der Sican plötzlich ehm, dass wir vom BMFT den Auftrag bekamen in einer Schnellrunde zu inventarisieren, welche Microelektronikaktitiväten und mit welcher Qualität in ehm der ehemaligen DDR bestanden. Der Schwerpunkt lag also zwischen eh eh neunundachtzig und neunzig und noch also in vollen, alten DDR-Strukturen, die man da erleben konnte mit versiegelten Türen und ähnlichem, eh führte dann weiter dazu eh eh, dass eh ich dem Aufsichtsrat von später dann Thesys angehörte in Erfurt, der unter dem Vorsitz von wiederum Gert Lorenz ehm dies alles aufarbeitete eh, das alte Kombinat „Bauelemente“ hiess es glaub ich, da wurden die Röhren abgespalten und der Rest wurde dann, lag der Schwerpunkt sowieso in Erfurt, wurde dann in dramatischen Größenordnungen zurückgeführt auf einen lebensfähigen Kern. Dazu gehörte also die ehm, der Abbau von ganzen Herden von von eh Fuhrparks eh, mit Lastwagen, Strassen bauen, was nicht noch alles, Kindergärten ehm. Das musste alles in relativ kurzer Zeit eh eh geschehen und ja, war meine erste Berührung mit einem mitbestimmten eh eh großen Aufsichtsrat mit allen Regeln, die dazugehören.
(HGS): Das war sicherlich ein hoch interessantes Projekt, das Sie da betreut haben und es
gab ja ein recht gutes Team von der Managementseite her, auch von der Aufsichtsratsseite
her, das letztlich auch Verständnis aufgebracht hat auf der Seite, die eigentlich nicht verstand,
was ein eigentlicher Halbleiterbetrieb ist, sondern man verstand nur wir sind ein verantwort-
ungsbewusstes Konglomerat, Sie hatten es schon angedeutet, in dem fünfundzwanzigtausend Mit-
arbeiter vom Strassenfegen bis hin zu Operationen, Herzoperationen alles machten und aus der
eigentlichen Halbleiterfabrik heraus „bezahlt“ werden sollten, das funktioniert nicht. Ja, es musste
also alles auf die Kerngeschichte zurückgeführt werden. Es ging irgendwo dann von fünfund-
zwanzigtausend Mitarbeitern, wenn ich mich richtig erinnere, auf fünfhundert. (Prof.W.): Ja
so ungefähr ja. (HGS): Und um dieses Thema noch schnell in die Heute-Zeit rüberzubringen,
rüber zu retten, dank der intensiven Arbeit des Aufsichtsrates und des Management-Teams
seinerzeit, gibt es heute in Erfurt eine „X-Fab“, ein Unternehmen, das knapp 300 Millionen
Euro umsetzt, also Umsatz macht und sehr profitabel ist. (Prof.W.): Ja. (HGS): und eine
weitere Supererfolgsgeschichte der europäischen Halbleiterei darstellt. Blenden wir wieder
zurück, oder wollten Sie dazu noch kurz was sagen? (Prof.W.): Ich wollt nur sagen, die diese
Berührung mit Erfurt hat dann dazu geführt, dass wir eins unserer ehm Tochterunternehmen
von der Sican, nämlich das MAZet in Erfurt, heute ist es in Jena, eh in Erfurt dann gegründet
haben, ein heute blühendes eh Rieseningenieurbüro, wenn man so will. Ehm ja, die die das
zweite was wir gegründet haben von Sican her, war dann an der Peripherie von Berlin eh, das
ist zwar inzwischen recht geschrumpft, existiert aber nach wie vor immer noch. Und wir hatten
eine große Schwester in ehm ehm Hamburg gehabt, seinerzeit mit der wir gut verzahnt waren.
(HGS): Ja gut, eine Erfolgsgeschichte zieht eine zweite Erfolgsgeschichte noch im ehemaligen
DDR-Bereich, der Bereich „Dresden“ , der komplett anders gelöst worden ist, indem man nicht
die alten Betriebe, ich sag mal verändert hat und geändert hat, sondern indem man mit grossen
Investitionen und internationale Unternehmen angesiedelt hat, unter anderem AMD mit einer
der modernsten Fabriken, die es heute gibt. Wenn Sie nochmal den Bogen von heute, aus dieser
ganzen Erkenntnis heraus, zurücklegen, Sie haben in vielen Gremien VDE, VDI alle möglichen Projekte noch mit auf den Weg gebracht. Ich nenne ein europäisches Projekt: JESSI – gibt es dazu vielleicht noch ein paar Bemerkungen Ihrerseits? (Prof.W.): Ja, eh eh. (HGS): Das war ja
nun ein wesentlicher Schritt aus der deutschen Begrenzung der Aktivitäten, dies wir bisher be-
sprochen haben, hinausragte. (Prof.W.): Ja, eh JESSI war schon eine eine bedeutende Zesur
in der, sagen wir mal, Perlenkette der eh großen Förderprojekte, eh zunächst auf nationaler
Ebene, wie zum Beispiel MEGA-Projekt und die Vorläufe wie VLSI und eh LSI-Projekte. JESSI,
als die Tagung für JESSI begann, was Jahre verschlang, eh war ziemlich schnell klar, dass es
die Möglichkeiten von Deutschland eh übersteigt in finanzieller Hinsicht, aber auch in der
ganzen Infrastruktur und führte dann dazu, dass Kontakt mit Frankreich aufgenommen wurde
so etwas gemeinsam zu machen, was zunächst also undenkbar erschien, es waren also weit
getrennte Welten. Ehm, der, es ist aber dann gelungen, und das JESSI Programm war sehr
viel grösser als das MEGA-Programm und zum ersten Mal mit einem wesentlichen Anwen-
dungsteil. Die vorhergehenden Programme waren alle Technologieprogramme mit ein
bisschen Unterstützung von der elektrotechnischen Seite her. Das JESSI-Programm war das
erste was also ganz wesentliche Teile auf Anwendungen und Mittelstand richtete. Die Über-
einkunft, die Urkunde zwischen eh eh Frankreich, Holland, Deutschland, trägt meine Unter-
schrift für die deutsche Seite und war damals also schon ein sehr angenehmer eh eh eine ange-
nehme Zesur. Diese Teile des Berufslebens, eh übrigens also in nem Endstadium mit Facetten,
wie man sie von Tarifverträgen her kennt, das wurde also in der Nacht so lange gefochten,
bis wenigstens also ein ein gewisser Konsens hergestellt wurde, aber sonst wäre es nicht zu
der Übereinkunft gekommen. Ja, die die dann zu den ganzen Aktivitäten in Grenoble mit
Einbeziehungen von Italien geführt haben, ehm das hat schon seine Spuren hinterlassen
noch über viele, viele Jahre. (HGS): Das heisst, wenn man sich heute, wir haben's vorhin
schon mal kurz angesprochen, eh so in den siebziger Jahren, die das Ranking der Halb-
leiterfimen in der Welt sich anschaute und sich heute das Ranking der Halbleiterfirmen in
der Welt anschaut, dann hat es dort gewaltige Verschiebungen gegeben. Können Sie dazu
noch ein paar, die auch vielleicht noch mit JESSI und solchen Projekten mit Grenoble
durchaus eh in Verbindung zu bringen sind. (Prof.W.): Ja, man darf nicht vergessen, dass
Mitte der siebziger Jahre bis, sagen wir mal, fast gegen Ende der achtziger Jahre eh ja unter
anderem noch der grosse Kampf tobte, wer ist eigentlich der Pacemaker, sind es die aus-
schliesslich die Memories, was damals durchaus vertreten wurde? Ehm und wenn man in den
Memories meinte eh sein zu müssen, eh sind's dann die D-RAMS oder damals als Gegenpol
die S-RAMS eh, das führte dann dazu, dass also Siemens eindeutig auf D-Rams setzte,
Philips eindeutig auf S-RAMS setzte, die dann aber relativ schnell wieder verliess eh eh
weil gesehen wurde, dass man zwar so hervorragende technologische Erfolge eh einfahren
konnte, aber nie sein Geld zurückverdienen würde auf dem Sektor. Philips ist also dann
da aus den Memories sehr schnell und ganz ausgeschieden. Ehm ja, die eh diese Schwan-
kungen, sag wir mal in der Hitliste, der jährlichen Hitliste der Halbleiter, der Hersteller in
der Welt, waren damals natürlich sehr stark geprägt durch die Japaner. Eh eh Philips als
einzige europäische Firma unter den ersten zehn der Weltrangliste, hatte grosse Anstren-
gungen nötig, sich so zwischen Platz sieben und Platz zehn zu bewegen. Eh, wenn man
in den alten Unterlagen kramt, sieht man aber also dramatische Bewegungen. Sieht zum
Beispiel eine Firma TI durchgemacht hat in dieser Zeit, die jahrelang gewohnt war unangefochten
die Nummer eins eh zu sein, und dann plötzlich mit Aufkommen der Memories eh eh einen
einen Sturz in die Tiefe machte, sich dann wieder fing. So `ne Menge von den Firmen gibt's
gar nicht mehr, die früher unter den ersten zehn gewesen sind. Gut, wenn man nochmal eine
etwas spätere Zeit dann dazu nimmt, hat Siemens Philips überholt eh, dank Memories und aber
die Frage ist natürlich zu welchem Preis. (HGS): Heute befinden sich wieder Europäer unter
den ersten zehn. ST- Micro Electronics und dann, wir haben vorhin schon mal gesagt, die
etwas europäische eh Variante Freescale und Philips in der neuen Version ist auch wieder
irgendwo dabei sich in die Gruppe der zehn einzusortieren und Infineon ist eh an diesem eh in diesem Bereich eh wieder, klopft an die Tür, eh also vielleicht sollte man doch mal sagen, all
die Dinge, die bewegt worden sind in all den dreissig Jahren, die wir jetzt gerade so im Bogen
durchlaufen sind, eh haben letztlich dazu geführt, dass sich Europa wieder gefangen hat.
(Prof.W.): Ja, was auch ganz deutlich in der Balance zu Japan eh eh deutlich wird. Ehm in den
siebziger Jahren war das ja fast deprimierend eh eh unter welchem Druck eh von aussen her
Europa dann stand eh. Gut, Amerika hat eh zumindest gedanklich jeder akzeptiert, weil es
also in einem Frühstadium große Akzente gesetzt hat, aber Japan hat es dann durch eine
Industrialisierungspolitik eh gemacht. Eh, ich denke auch ohne danach zu fragen was es
kostet. Die Quittungen kamen dann sehr sehr viel später.
(HGS): Ein zum Schluss vieleicht noch eine kleine Rückblende ehm, wenn Sie aus all den Dingen, die wir jetzt besprochen haben, wenn Sie die nochmal anschauen, welche würden Sie sagen, waren die zwei signifikantesten Ereignisse, die Sie persönlich geprägt haben?
(Prof.W.): Ja, um hinten zu beginnen, dann ist das schon der ganze Anlauf von Sican. Eh, das
war ne ganz neue Erfahrung. Ich war in meinem Berufslebenlang eigentlich Teil von Konzer-
nen gewesen. So, die Aufgabe mit der Sican sah so aus, dass Geld bereitgestellt wurde, gute
Wünsche ausgesprochen wurden eh und das war's und gesagt wurde welche Bank zuständig ist.
So, mehr gab es da nicht, ausser allen möglichen Leuten, die es unnötig fanden, dass die Sican entsteht und sich entsprechend also dann bemerkbar machten. Ehm, das war schon ein starker Einschnitt. Ja ich denke sonst vielleicht die größte Zäsur der Übergang von Intermetall zu der Forschung von von Philips. Wenn man plötzlich so weit an die Front, ohne selbst Teil dieser Front zu sein, aber in die Nähe der Front gespült wird, wo wirklich also Dinge, Philips hält immerhin das Basis C-MOS Patent. Ehm, dass da wurden schon Grundlagen gelegt, eh die die von sonst hier in Europa nicht packen konnte.
(HGS): Für alle Ihre Aktivitäten, Herr Professor Weinerth, gibt es dann irgendwann, fragt man sich, auch irgendeinen Dank? Das eine ist die Entlohnung für das was man tut in Form von
monetären Dingen und das Andere sind Ehrungen und ich bin sehr glücklich und sehr froh, dass
wir zum Schluss unserer heutigen Rückblende nochmals kurz darauf hinweisen können, dass
ab 1990 Sie Ehrenmitglied im VDI sind und dass Ihnen im Jahre 2004 das Bundesverdienstkreuz
übertragen wurde und damit möchte ich sagen: ganz herzlichen Dank auch von meiner Seite.
Worüber wir beide heute nicht gesprochen haben ist, das unsere Wege sich auch hin und wieder
gekreuzt haben und für mich war es immer eine hervorragende Zeit mit Ihnen zusammen zu ar-
beiten und die Dinge, die anstanden, zu lösen. Und damit möchte ich mich für heute ganz herzlich
bei Ihnen bedanken und wünsche Ihnen noch viele Jahre in Ihrem Ruhestand.
(Prof.W.): Vielen Dank
-Ende-